Es ist noch nicht vorbei. Über die Tarif-Landschaft der Bundesrepublik zieht ein Tief nach dem anderen, darunter so manches Sturmtief – richtiges Aprilwetter.

Noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik ist feiner Tarif runde so oft, so frühzeitig und so leichtfertig von Streik und Aussperrung gesprochen worden wie diesmal – von Arbeitgebern ebenso wie von Gewerkschaften.

Daß die IG Druck eine militante Gewerkschaft ist, die auch einen riskanten Arbeitskampf nicht scheut, ist spätestens seit dem Lohnkampf 1976 bekannt, als sie "um eine Schachtel. Zigaretten" streikte.

Daß die mächtige IG Metall sich von dem ultimativen Lohnangebot der Arbeitgeber in Höhe von drei oder dreieinhalb Prozent nicht würde beeindrucken lassen, war zu erwarten.

Daß Heinz Kluncker, der für den öffentlichen Dienst zuständige Gewerkschaftsführer, gern mit den Mülleimern rasselt als Hintergrundmusik für seine Lohnforderungen, weiß man zur Genüge.

Daß aber Rudolf Speyer, der Bauarbeiterführer, von Provokation der Arbeitgeber und Streik spricht, sind neue, bisher kaum gehörte Töne, Wie sein Vorgänger Georg Leber hielt es auch Sperner lange Zeit so, daß er sagte: Wir verkünden keine Forderungen, wir setzen uns zusammen und verteilen, was im Topf ist. Und die Bauarbeiter sind gut damit gefahren.

Diesmal aber ist alles anders – verständlich nur, wenn man bedenkt, wie sich das wirtschaftliche Umfeld verändert hat.