Hervorragend

Peter Handke: "Wunschloses Unglück." Handkes Erzählung vom Leben und Sterben seiner Mutter, "Wunschloses Unglück" (1973), ist das bekannteste Buch des 1942 geborenen österreichischen Schriftstellers und wird auch von Leuten gelesen, die Handkes Romane und Dramen sonst als "versponnen" oder "zu ästhetisch" empfinden. Jetzt gibt es den Text in einer vom Autor getroffenen Auswahl (knapp eine Stunde) auf einer Schallplatte, gesprochen von dem auch als Darsteller von Handke-Rollen bekannten Schaubühnen-Darsteller Bruno Ganz. "Es regnete sehr stark, als wir am Buß- und Bettag in Hamburg diese Platte aufnahmen", schreibt Ganz, der diesen realistisch erzählten Text ohne Sentimentalität spricht, auf der Plattenhülle: "Handkes Sätze ermöglichten mir eine Beschäftigung mit diesem Tod, ohne die üblichen schnellen Abwehrgebärden oder falsches, flüchtiges Mitgefühl – als ob durch die Teilnahme am Leben eines anderen sein Tod an Einsamkeit verlöre. Danke Peter." (Deutsche Gramophon, 2570014) Rolf Michaelis

Hörenswert

The Carla Bley Band: "European Tour 1977." Das ist die musikalisch einfallsreichste, auch die spielerischste der Schallplatten, die von der amerikanischen Jazzkomponistin, -pianistin, -saxophonistin Carla Bley und ihrem österreichischen Kollegen Michael Mantler unter dem Etikett "Watt" im Selbstverlag herausgebracht und jetzt durch die Münchner Firma ECM hier zugänglich gemacht worden sind. Die Aufmerksamkeit wird vor allem durch die unbekümmerte ironische Stimmung geweckt, die besonders die zweite Plattenseite bestimmt. Da hört man eine parodistische "Drinking Music" sowie eine lange Persiflage, in der sich die zehn Musiker über ein paar abgewetzte musikalische Heiligtümer hermachen – man erkennt wenigstens vier Nationalhymnen, einen Zirkusmarsch, einen Schlager, ein, zwei Jarrettsche Jazzthemen. Das ist konventioneller, aber lustig durchtriebener "Band"-Jazz. (Watt/8, ECM 2313 108). Manfred Sack

"Ein Vogel wollte Hochzeit machen." Rolf Zuckowski, Liedermacher mit Gespür für Kinder, hat zwölf musikalische Miniaturen zu einer Geschichte gefügt, die ohne Tricksound und Klimbim, hübsch geradeaus den Lenz eines verliebten Vogel-Pärchens besingt. Es sind naiv und anmutig gefaßte Liedchen zum Einschlafen und zum Aufwachen, die vom Maienglück und Vogelträumen zwitschern. Die niedliche Romanze ist mit 12 Liliput-Graphiken illustriert. Text und Komposition sind für Kinder ab drei geeignet (phonogram 6434 319) Ute Blaich

Enttäuschend

Jefferson Starship: "Earth." Auf der Bühne soll diese Gruppe immer noch die alte Magie der Jefferson-Airplane-Konzerte ausstrahlen – was bei den exzellenten Musikern und dem Repertoire, das ihnen aus vergangenen Tagen zur Verfügung steht, nicht verwundert. Diese neue Platte allerdings ist ein – womöglich sogar auf den Publikumsgeschmack hin kalkuliertes – künstlerisches Debakel, wenn man sie an alten Glanzleistungen der Band mißt Der Mangel an komplexer Melodik und experimentellen Arrangements überrascht gerade bei dieser Gruppe. Manche Texte sind so banal, daß sie auch von einer x-beliebigen Teenager-Band gesungen werden könnte. Prätentiös bis zur Unerträglichkeit ist schließlich Grace Slicks Polit-Botschaft in "Show Yourself".

(Grünt Records FL 12515) Franz Schöler