Die Kürzung der Großbanken-Dividenden um jeweils 0,50 Mark ist auf Kritik gestoßen. Angesichts der zweifellos guten Erträge wäre die Beibehaltung der bisherigen Bardividenden ohne weiteres möglich gewesen. Die Vorstände begründen die optische Dividendensenkung mit der Notwendigkeit, mehr Rückstellungen auf die im Kreditgeschäft wachsenden Risiken vornehmen zu müssen. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, daß die Aktionäre unter Berücksichtigung der Steuergutschrift für 1977 eine um mehr als 40 Prozent höhere Ausschüttung erhalten als für 1976.

Die Höhe der diesjährigen Dividendensätze war in den Vorstandsetagen lange Zeit Diskussionsgegenstand. Zwei Ansichten standen sich gegenüber. Einmal wurde geltend gemacht, daß Institutionen, die wie die deutschen Großbanken international tätig sind, sich nicht mit dem "Makel" einer Dividendensenkung belasten sollten. Denn im Ausland würden die Gründe für diesen Schritt schon deshalb nicht verstanden werden, da die Ausländer als Aktionäre der Banken nur die Nachteile der Körperschaftsteuer-Reform erleben. Dagegen wurde argumentiert, daß es nicht Sinn der Körperschaftsteuer-Reform sein könne, die inländischen Aktionäre grundsätzlich mit einer Aufstockung um 9/16 ihrer bisherigen Bardividende zu beglücken.

Einer der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Friedrich Wilhelm Christians, rechnete auf der Bilanzpressekonferenz seines Hauses vor, daß – gleiche Ertragslage und gleiche Rücklagenbildung vorausgesetzt – angesichts der durch die Körperschaftsteuer-Reform eingetretenen steuerlichen Mehrbelastung die Bardividende hätte von zehn auf 8,50 Mark gekürzt werden müssen. Wenn neun Mark vorgeschlagen würden, sei dies tatsächlich eine Dividendenaufstockung, wobei im Falle der Deutschen Bank noch hinzukommt, daß die erst am Jahresende eingezahlten jungen Aktien bereits für das ganze Jahr 1977 dividendenberechtigt sind, so daß die inländischen Aktionäre der Bank – haben sie die jungen Aktien bezogen – unter Berücksichtigung des Steuerguthabens tatsächlich 48,5 Prozent mehr erhalten als 1976.

Bei der Zuweisung zu den offenen Rücklagen haben sich die Commerzbank und die Dresdner Bank mit Betragen von 50 beziehungsweise 60 Millionen Mark an die in den letzten Jahren zurückgelegten Summen gehalten. Die Deutsche Bank stockte zum Zeichen ihrer gebesserten Ertragslage die Rücklagendotierung um zehn auf 110 Millionen Mark auf.

Wer in diesem Jahr, meine verehrten Leser, einen Anhalt über die unterschiedliche Ertragskraft der Banken in der Steuerposition sucht, läuft unweigerlich in die Irre. Im Grunde waren die Positionen schon im vergangenen Jahr wegen der unterschiedlichen Geschäftspolitik der Institute nicht mehr miteinander vergleichbar. Die Commerzbank, die ihre Bardividende von bisher neun auf 8,50 Mark gekürzt hat, und die Dresdner Bank (Dividendenrücknahme von zehn auf neun) hatten im Geschäftsjahr 1976 mit ihrem Gewinnausweis kürzergetreten, um möglichst viel ins steuerliche Übergangsjahr 1977 hinüberzuretten, in dem nicht nur das steuerliche Schachtelprivileg fortfiel, sondern darüber hinaus auch noch die Dividendenzahlungen der Beteiligungen ohne Steuergutschrift erfolgten, aber bei der "Mutter" voll zu versteuern waren. Deshalb geht Rückgang der Steuerpositionen des Jahres 1976 nicht allein auf das sicherlich gegenüber 1975 "schlechtere" Bankenjahr 1976 zurück, sondern auch auf gewisse Gewinnverschiebungen. Bei der Deutschen Bank zog die Steuerposition dagegen noch geringfügig nach oben.

Im Geschäftsjahr 1977 änderte sich das Bild. Die Folgen der Körperschaftsteuer-Reform und höhere Erträge ließen bei der Commerzbank und Dresdner Bank den Steueraufwand explodieren, während er sich bei der Deutschen Bank nur um 13,6 Prozent erhöhte. Hier spielt nicht nur die erhöhte Ausgangsbasis eine Rolle, sondern auch die Tatsache, daß sich die Deutsche Bank "steuersparend" verhalten hat, in dem sie bei den Beteiligungserträgen "optierte", also für das Übergangsjahr 1977 noch die bisherige Regelung für sich in Anspruch nahm. Das konnte sie, weil sie die steuerermäßigten Einnahmen nicht für die Ausschüttung heranziehen mußte (dann wären sie voll zu versteuern gewesen) und dies auch in Zukunft nicht glaubt tun zu müssen.

Eine weitere Besonderheit: Während Commerzbank und Dresdner Bank verstärkt sogenannte "andere Erträge" (aus dem Eigenhandel der Bank mit Effekten, Gold und Devisen stammend) zum Ausgleich der Gewinn- und Verlustrechnung herangezogen haben, ist dieser Posten bei der Deutschen Bank rückläufig. Wenn man davon ausgeht, daß die in den genannten Sparten angefallenen Erträge – sie können mit Posten der Aufwandsrechnung saldiert werden – bei der Deutschen Bank ebenfalls kräftig gestiegen sind, dann wird deutlich, daß sehr viel für die Bildung unversteuerter stiller Reserven getan werden konnte; dies allerdings von allen drei Instituten.