Von Georg Jappe

Immer öfter tauchen Bücher und Zeitschriften außerhalb des normalen Vertriebs auf, in speziellen Kunstbuchhandlungen und Avantgarde-Galerien, auf Kunstmessen und im Postabonnement. Sie reichen von kommentarlosen Photo-Folgen bis zu verzwickten Symbiosen von Bild und Sprache, die außerhalb von Belletristik und Museum liegen. Solange man ihre Voraussetzungen nicht kennt, wirken sie meist rätselhaft bis hermetisch. Im Vertrieb wie in der Form warten sie nicht auf Konsumenten; sondern auf Leser, die suchen und aufspüren. All das erinnert weniger an die underground-press der sechziger Jahre als an die verstreuten und limitierten Auflagen der Dadaisten und Surrealisten.

In diesem Zusammenhang gehören die Bücher von Fritz Schwegler zu den eigentümlichsten. Auf beiger Broschur beispielsweise der handgeschriebene Titel: "Hört man die Aktenschübe"; darunter, wo sonst der Verlagsname steht: "50er Buch von F. Sch."

Ihnen stehen sich je eine kleine Zeichnung, manchmal handcoloriert, und ein einzelner handgeschriebener Satz gegenüber. "Warum muß denn das Zweiteilen das Einteilen so gewärtig sein", steht gegenüber der Skizze eines Pissoirs im Theater, und ein großer gebratener Truthahn rollt auf Rädern herein. Oder eine Art Dusche von wenigen Wasserstrahlen korrespondiert dem Satz: "Echnaton, ist nicht zugehärmt, ward gezähmt, wenig." Vielleicht fällt einem noch auf, daß die Zeichnung die Nummer EN 5008 trägt und der Satz EN 5016; und daß es eine fortlaufende Numerierung so wenig gibt wie eine semantische Folgerichtigkeit.

Eine bekleidete Büste, statt eines Kopfes die simpelste Antenne, daran steht: Draht bräunlich. Gegenüber: "Empfehlenswert, wenn die mit starkem Glühpreis wieder." Diese Mischung aus Schalk und Orakel, aus naivem Zugriff und wieselhaftem Denken um zwanzig Ecken, erzeugt allmählich bei der Lektüre jenes Faszinosum, das gerade dem Spielerischen und Vertrackten innewohnt, man will da mitspielen, auf die Sprünge kommen, hinter die Schliche.

Wer ist Fritz Schwegler?

Ihn dürfte wohl kein Sortiraenter kennen, in der Kunstwelt dagegen hat er es schon zum Professor an der Düsseldorfer Akademie gebracht – ohne ein Œuvre im handgreiflichen Sinn von Objekten, obwohl der gelernte Schreiner aus dem Schwabenland, Jahrgang 1935, mit Bronze und Stein begann und einige öffentliche Großplastiken ausführte. Die meisten blieben freilich kleine Modelle, die stellte er in "Kästen für Einfälle", eine ganze Wand voll.