Die Kubaner, Moskaus Janitscharen in Afrika, scheinen sich jetzt tatsächlich anzuschicken, für den Kreml auch noch Eritrea zu erobern. 17 000 Mann stehen in Äthiopien angriffsbereit. Einen Stützpunkt unmittelbar gegenüber Saudi-Arabien, dem wichtigsten westlichen Verbündeten in dieser Region, zu haben, muß den sowjetischen Strategen ebenso attraktiv erscheinen wie die Aussicht, von dem eritreischen Hafen Massawa und dem bereits kommunistischen südjemenitischen Stützpunkt Aden aus den Zugang zum Roten Meer zu kontrollieren.

Die sowjetische Taktik besteht darin, unter dem Deckmantel des Proletarischen Internationalismus so schnell wie möglich zuzugreifen. Im Falle Ogaden mag das noch angegangen sein. Fidel Castros Worte vom gerechten Defensivkrieg gegen einen fremden Aggressor können nicht so ohne weiteres abgetan werden, auch wenn er das Selbstbestimmungsrecht der Ogaden-Somalis ignoriert hat. Aber abenteuerlich klingen seine Argumente für das Eingreifen in Eritrea. Den dortigen Guerrilleros gesteht er zwar zu, Bauern zu sein, aber sie sind eben doch von "Imperialisten verführte", schlimmer noch, "konterrevolutionäre Banditen, die von Feudalisten angeführt" werden.

Als die "Eritreische Volksbefreiungsfront" und die "Eritreische Befreiungsfront" vor siebzehn Jahren ihren Kampf gegen Haile Selassie begannen, nachdem der Kaiser die Provinz annektiert hatte, schwuren die sozialistischen Staaten Solidarität "für diesen gerechten Kampf". Was ist davon geblieben? – Vergessen ist offensichtlich auch die Tatsache, daß beide Bewegungen, die mittlerweile neunzig Prozent des Territoriums beherrschen, bis vor kurzem noch handfest von Kuba und der Sowjetunion unterstützt wurden, ja, daß eine der Gruppen, die sich marxistischleninistisch nennt, ihre Leute sogar zur Ausbildung auf Fidel Castros Insel schickte.

Wenn es um die eigenen Interessen ging, waren die Sowjets, ungeachtet ihres ideologischen Bauchgrimmens, noch immer bereit, ihre Freunde von gestern zu opfern. Nach den Somalis müssen nun die Eritreer die bittere Erfahrung machen, daß es nicht weit her ist mit dem Proletarischen Internationalismus. Vielleicht gibt ihr Schicksal auch anderen in der Dritten Welt zu denken. Vy.