Mittelmäßig

"Der Schimmelreiter" von Alfred Weidenmann. Das zentrale Interesse bei den derzeitigen Wiederbelebungsversuchen am bundesdeutschen Filmschaffen gilt nun einmal leider der Literatur und dort den populären Schulbuch-Klassikern. Als besonders "volkstümlich" gilt andererseits seinen Exegeten Theodor Storms "Schimmelreiter", den ja schließlich 1934 schon einmal Matthias Wieman auf der Kinoleinwand verkörperte. Und so konnte es einfach nicht ausbleiben: Alfred Weidenmann, letzter Aktiver der deutschen Alt-Regisseure, die es in den goldenen Fünfzigern zu "einigem Renommee und vielen Auszeichnungen" gebracht haben ("Canaris", "Die Festung"), wurde verpflichtet und eine internationale Darstellerriege. kräftig gemixt mit deutscher Prominenz – der Amerikaner John Phillip Law als junger Deichgraf, Gerd Fröbe als der alte, Anita Ekström und Publikumsliebling Lina Carstens, in Nebenrollen Vera Tschechowa und Werner Hinz. Die Rechnung geht nicht auf: zwar liefert Weidenmann eine gepflegt düstere Klassiker-Bebilderung, stilisiert den jungen Hauke Haien immerhin ein wenig zum modischen Rebellen, doch vermag die Story augenscheinlich selbst die Darsteller und den Regisseur nicht zu interessieren. Unmotiviert und lustlos versinkt der Schimmelreiter nebst geliebter Ehefrau in den Wellen des Meeres. Als nächstes steht uns nun "Götz von Berlichingen" ins Kinotheater.

Bodo Fründt

Aufgeregt

"In einer Regennacht" von Lina Wertmüller, von der hierzulande in den Programmkinos nur ihre 1973 gedrehte Großstadt groteske "Tutto a posto e niente in ordine" (Operation gelungen, Patient tot) zu sehen war. In den USA ist die ehemalige Fellini-Assistentin mittlerweile zur Kultfigur der Kritik geworden. Kann eine amerikanische Photographin, überzeugte Feministin (Candice Bergen), mit einem italienischen Journalisten, Kommunist und Chauvinist (Giancarlo Giannini), glücklich werden? Dies ist das Thema ihres zehnten Films, ihres ersten englischsprachigen. Die drastische Vitalität ihrer italienischen Filme ist in "The end of the world in our usual bed in a night füll of rain" (so der Originaltitel) nur noch anfangs zu finden, ansonsten zu einer hektischen Hysterie geworden, die Banales mit Bedeutungsschwangerem aufzuladen sucht: extreme Großaufnahmen, ziellose Zooms, zeitgenössische Verweise von Berlinguer bis Umweltschutz und ein Fellini-ähnlicher Chorus grotesker "Freunde" und "Freundinnen", die im mondänen Schlafzimmer mit sexistisch-feministischen Pseudo-Profunditäten diese Szenen einer italo-amerikanischen Ehe kommentieren. Sie scheitert schließlich. Wie auch diese italienisch-amerikanische Produktionsehe sich leider als Mesalliance erweist.

Helmut W. Banz