Von Sybil Gräfin Schönfeldt

Es fängt an wie ein Klassentreffen: In Hamburg begrüßten sich die ersten auf dem Flughafen, in Köln steigen die nächsten zu, in Mailand warten abermals Bekannte auf dem Bahnhof, und im Zug nach Bologna ist ein ganzes Abteil gefüllt. Ein Verleger holt Vino rosso und bianco, sizilianische Blut-Orangen und Brathähnchen, das trübe Nebelwetter des Nordens ist vergessen, und die erste Euphorie macht alle glücklich.

Könnte man so zur Frankfurter Buchmesse reisen? So reist man nur nach Bologna, zur "Fiera del Libro per Ragazzi", zur Kinderbuchmesse, dieses Jahr ist es die fünfzehnte.

Lohnt sich dieser Frühlingszug nach Süden? Das ist umstritten. Die Kunststudenten sagen: Ja! Sie sehen zum erstenmal, welche Möglichkeiten ihnen die Realität des Büchermachens bietet. Die Verleger zögern mit Antworten. Einer hat in den ersten zwei Stunden für 20 000 Mark Lizenzen verkauft, nach einem anderen hat sich in allen vier Tagen kein Mensch erkundigt.

Auch Autoren, die die Messe besuchen, berichten stolz von vergebenen Lizenzen. Manche Verlage sagen: "Wirtschaftlich springt nichts dabei heraus, aber: die Lizenzabschlüsse sind im allgemeinen sehr viel hoher als in Frankfurt."

Der Grund: Diese Messe gehört allein den Kinder- und Jugendbuchverlagen. Man gewinnt also einen Überblick über die komplette internationale Produktion. Und: viele Kinderbuchverleger und Lektoren großer Verlage kommen gar nicht erst nach Frankfurt" sondern gehen nur nach Bologna. Vielfach ist es sogar die erste Garnitur: Sie kann sofort und selber entscheiden. Außerdem ergänzen sich Frankfurt und Bologna. Was hier geplant wird, kommt dort zum Abschluß und umgekehrt. Und: man kann in Bologna friedlicher miteinander reden als in Frankfurt.

Das ist alles kein Zufall: Bologna ist nicht ohne Frankfurt entstanden. Dottore Cesare Alberghini, Segretario Generale der Messeleitung von Bologna, fand vor über fünfzehn Jahren, daß die Messe etwas für die Kinder tun müsse. Vielleicht eine Kindermesse mit Spielzeug und Möbeln? Das erschien allen zu wenig, sie wollten etwas nicht (nur) Kommerzielles, etwas, was den Kindern nützt und der Messeleitung erlaubt, nicht nur zu organisieren, sondern auf ihre Weise kreative Prozesse auszulösen.