Nun haben sie ihn doch nicht gewagt, den Sprung in die große Politik. Vorerst, so beschloß der Bundesverband der Bürgerinitiativen Umweltschutz, wird es keine zentrale Anweisung geben, bundesweit "grüne Listen" aufzustellen. Ob sie das Ringen mit den etablierten Parteien wagen, bleibt den einzelnen Landesverbänden überlassen. In Schleswig-Holstein haben sie Erfolg gehabt; in Hamburg sind ihre Aussichten schlechter; in Niedersachsen können sie die Freien Demokraten in arge Bedrängnis bringen und doch knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

An Phantasie hat es den Umweltschützern nie gemangelt. Eine Parole "Bunte Liste – wehrt euch" oder ein Spruch "Nicht schwarz ärgern – grün wählen" sind Ohrwürmer. In Kassel haben sie aber zudem bewiesen, daß sie auch Augenmaß besitzen: In der wirtschaftlichen Schlechtwetterlage hat sich der Wind gedreht. Er bläst ihnen heute ins Gesicht.

Freilich haben sie so wenig Grund zur Resignation wie ihre Gegner Anlaß zur Schadenfreude. Statt als unbeachtete Minifraktion in den Parlamenten nur "Nein" zu sagen, werden sich die Umweltschützer wohl wieder auf ihre eigentliche Stärke besinnen: Vor Ort für ihre vernünftige Sache zu streiten. Notfalls können sie dort die Parteien das Fürchten lehren. H. B.