Von Jutta Elfner

Offenbach

Offenbach, die 115 000 Einwohner zählende Stadt im Rhein-Main-Ballungsgebiet, hat ihren Skandal im Dienstzimmer. Die Darmstädter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen eine ganze Behörde: das Offenbacher Ausländeramt. Der Magistrat der Stadt hat die zwölf Mitarbeiter des Amtes vom Dienst suspendiert. Die gesamte Mannschaft steht unter Korruptionsverdacht. Sex and Crime hinter dem Schalter?

Das Ur-Vertrauen in deutsche Behörden scheint gebrochen: Backschisch-Vergabe in einemn Amt, das über Wohl und Wehe, Ausweisung und Aufenthaltsgenehmigung von Ausländern entscheidet? Oberstaatsanwalt Friedrich Hoffmann versucht vergeblich, die Wogen der öffentlichen Empörung zu glätten: "Das Wort Skandal höre ich in diesem Zusammenhang nicht gern."

Die Offenbacher Gerüchteküche aber kocht. Die lokale Presse sieht in "dieser Angelegenheit noch manches an die Oberfläche treiben." Die FDP fürchtet um Offenbachs Ruf, den aufzupolieren man gerade bemüht sei. Die SPD-Fraktion glaubt, sich rechtfertigen zu müssen, indem sie den "rückhaltlosen Aufklärungswillen" des SPD-beherrschten Magistrats als Beweis dafür nimmt, daß dieser in der Sache nichts zu vertuschen hat.

Die Staatsanwaltschaft ist eifrig, durchsucht die Wohnungen der beurlaubten Mitarbeiter, ist jetzt dabei, die Ausländerakten zu sichten, sammelt Zeugenaussagen und Indizien, gibt sich Reportern gegenüber allerdings zurückhaltend.

Doch die Journalisten am Ort sind nicht faul, Sie forschen auf eigene Faust, hören von fröhlichen Zechgelagen nach Dienstschluß mit Bestechungsschnaps, von lukullischen Festivitäten ohne Rechnung in ausländischen Spezialitätenlokalen, von Gratisreparaturen in den Autowerkstätten ausländischer Kfz-Meister.