DIE ZEIT

Rheingold für alle

In den letzten Jahren hat Europa nur von wirtschaftlichen Aktionen gelebt. Das politische Schwungrad, das allein die Gemeinschaft weiterbringen kann, stand still.

Nicht willkommen

Das Schicksal der Tschechen und Slowaken heißt seit jeher: erdulden, sich fügen, ihre Träume und Überzeugungen dem Zwang der jeweiligen Vormacht opfern.

Abschied vom Mao-Look

Jeder nimmt die Farbe seiner Umgebung an, sagt ein chinesisches Sprichwort. Und so war denn Pekings Außenhandelsminister Li Tschiang bei der Besichtigung des Airbusses von seinen Gastgebern Strauß und Karry kaum zu unterscheiden: ein Maoist in Schlips und Kragen.

Gesucht: Auswege aus der Sackgasse

Es gibt Phasen im Leben der Staaten, da verknäueln sich die Fäden der Politik zu unentwirrbaren Knoten. Das Handeln der Mächte verkommt zum Prozedurgerangel; jede wirkliche Bewegung erstarrt, keiner hat die Kraft zum Ausbruch und Durchbruch ins Freie.

Mönchs-Kutte und Jakobiner-Mütze

In den kleinen, klaren Augen über dem gepflegten Castro-Bart irrlichtert nichts Unheimliches. Allenfalls Verachtung läßt sich erkennen: Renato Curcio, Gründer und leitender Kopf der "Roten Brigaden", blickt durch die dicken Eisengitter, die im Gerichtssaal in Turin die Anklagebank wie einen Raubtierkäfig umgeben, mit der hochmütigen Gelassenheit eines Menschen, der sich selbst als Heilsbringer und Scharfrichter einer verrotteten Welt empfindet.

Zeitspiegel

Rechtzeitig zum Besuch des tschechoslowakischen Staats- und Parteichefs Husák in Bonn wurde ein Brief aus Prag herausgeschmuggelt, worin die deutschen Sozialdemokraten und Gewerkschaften zur Hilfe für einen Genossen aufgerufen werden.

"...hat es uns Spaß gemacht"

Eine quälende Fröhlichkeit auf der Anklagebank – Wird aus Moabit doch noch ein Stammheim Von Hans Schueler

Ein Lehrstück der Verworrenheit

Die Iden des März wurden der Atlantischen Allianz zur Stunde der Wahrheit: Beim Angeln an einem einsamen Wochenende entschloß sich Jimmy Carter, die beiderseits des Atlantik leidenschaftlich, aber verworren umstrittene "Neutronenwaffe" nicht zu bauen.

Wolfgang Ebert: Die Carterbombe

"Das ist es ja gerade – sie macht überhaupt keinen Unterschied zwischen Freund und Feind, ja manchmal platzt die Bombe sogar mitten in Washington.

Viel Krach ist bloße Mache

In der Bonner Außenpolitik herrscht mehr Gemeinsamkeit, als die Redeschlachten zwischen Opposition und Koalition vermuten lassen

Der Präsident und das Gewissen

Auch die Großen sind fehlbar, sogar der Bundespräsident: Walter Scheel am 5. April in einer Rede vor Bundeswehrkommandeuren: Wenn ein Staat seinen Bürgern das Recht zugesteht, den Kriegsdienst aus Gewissensgründen zu verweigern, dann könne "jedermann, auch wenn ihn sein Gewissen überhaupt nicht drückt", dies trotzdem einfach behaupten und sich dadurch der Kriegsdienstpflicht entziehen.

Gescheitert

Wenige Wochen nach der Niederlage der somalischen Truppen in der äthiopischen Provinz Ogaden scheiterte am vergangenen Sonntag ein Putsch rebellierender Offiziere gegen den somalischen Präsidenten Siad Barre.

Babysorgen im Bundestag

Die Koalitionsparteien waren sich sicher, zur Zurückweisung des Bundesrats-Einspruchs die notwendige "Kanzlermehrheit" (249 Stimmen) zusammen zu haben.

Chirac voll im Abseits

Offensichtlich hat es Gaullistenführer Jacques Chirac nicht verwinden können, daß der gerade einen Monat alte Wahlsieg der Regierungsparteien vor allem als Erfolg von Staatspräsident Giscard d’Estaing gewertet wurde.

Schwerwiegender Verdacht

Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Dr. Horst Herold, und die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag befürchten, daß verurteilte oder tatverdächtige Terroristen nach ihrer Haftentlassung untertauchen, um neue Gewalttaten vorzubereiten.

Wacht am Litani

In Alma el-Schaab, an einer strategischen Straßenkreuzung knapp zehn Kilometer nördlich der libanesischen Grenze, demonstrieren maronitische Milizionäre und israelische Soldaten militärische Eintracht.

"Wir kämpfen weiter..."

Salah Khalef, alias Abu Iyad, ist neben Yassir Arafat die Nummer zwei in der "Palästinensischen Befreiungsorganisation" (PLO) und deren Kerntruppe, der Fatah.

Sucht nach Superlativen

Mit halben Sachen gibt sich Ferdinand Marcos nicht zufrieden. Superlative sind für ihn gerade gut genug. Sein juristisches Staatsexamen absolvierte er vor vierzig Jahren mit einmalig grandiosen, Noten, die ihm bisher niemand nachmachen konnte.

Keine Ruhe für Soares

Ende Januar, als in Lissabon die neue Koalitionsregierung aus Sozialisten und bürgerlichem Zentrum vorgestellt wurde, hatte Regierungschef Mario Soares halb bittend, halb fordernd erklärt: "Weil aber die Regierung jetzt die Mehrheit vertritt, ist es für die Minderheit absolut notwendig, sich als Minderheit zu betrachten und uns regieren zu lassen, ohne uns zu behindern.

Spanien: Lenins Jünger gegen Carrillo

Wir sind das Land von Don Quichote, ein Land, in dem Stolz und Ehre noch gelten." Mit diesem Satz hatte Spaniens KP-Chef Santiago Carrillo vor zwölf Monaten jene Angriffe pariert, die in Moskau gegen ihn erhoben wurden.

Bittere Medizin

Einem kranken Gemeinwesen als bittere Arznei Kommunisten zu verordnen, das mag Mitteleuropäern absurd erscheinen – doch in Italien fehlt es nicht an Medizinmännern, die sich von solcher Roßkur etwas versprechen.

Falsche Freunde

Die Kubaner, Moskaus Janitscharen in Afrika, scheinen sich jetzt tatsächlich anzuschicken, für den Kreml auch noch Eritrea zu erobern.

Grün vor Ort

Nun haben sie ihn doch nicht gewagt, den Sprung in die große Politik. Vorerst, so beschloß der Bundesverband der Bürgerinitiativen Umweltschutz, wird es keine zentrale Anweisung geben, bundesweit "grüne Listen" aufzustellen.

Mordversuch mit N.

Der Ulmer Oberstudienrat Siegfried R. verkörpert eine traurige Berühmtheit: zum erstenmal in der deutschen Kriminalgeschichte verwendete er bei einem Mordversuch eine organische Substanz, die bisher nur Wissenschaftler als gefährliches Umweltgift kannten.

Ganze Männer

Münchens umstrittene "Schwarze Sheriffs" erhielten auch Lektionen in Sprengstoff-Kunde

Im Amt tolerant

Wie die Offenbacher Ausländerbehörde durch allzu: freies Ermessen ins Zwielicht geriet

Nach 100 Tagen

Die beiden abendlichen Informations-Neuerungen im deutschen Fernsehen, Tagesthemen und heute-journal sind just hundert Tage alt.

Warte, warte nur ein Weilchen

Rund 10 300 Mark monatlich verdient ein verheirateter württembergischer Landesminister mit zwei Kindern, und rund 5150 Mark sind ihm bereits nach vierjähriger Amtszeit als Pension monatlich sicher.

Als wäre es gestern

Carl Jacob Burckhardts "Memorabilien": Blick auf eine weite menschliche Landschaft

Nur ein Pyrrhussieg

Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland ist Problem- und konfliktreich gewesen. Schlagartig hat sich die rechtliche, politische, gesellschaftliche und kulturelle Gleichstellung der Juden im 19.

Gefahr für Deutschland?

Fritz Reuter, Präsident der Wasser- und Schiffahrtsdirektion Kiel, bekennt resigniert: "Ein optimaler Schutz gegen Ölverschmutzung ist weltweit nicht in Sicht.

Dirigismus am Krankenbett

Der mit Abstand dickste Brocken im Etat der gesetzlichen Krankenversicherungen sind die Ausgaben für Krankenhauspflege. Weit über zwanzig Milliarden Mark müssen die Kassen inzwischen pro Jahr an die Kliniken überweisen.

Gefecht mit Platzpatronen

Bei den Gewerkschaften herrscht, wie der Bremer SPD-Bundestagsabgeordnete Claus Grobecker herausgefunden haben will, "große Unruhe": allgemein über die Haltung der Bundesregierung zum umstrittenen Thema der Aussperrung und ganz besonders darüber, daß, nach den Worten des Regierungssprechers, auch Bundeskanzler Helmut Schmidt die "Abwehraussperrung" von Arbeitnehmern "prinzipiell" für rechtens halte.

Sturm auf die Bastille?

Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine Sensation. Bei der jüngsten Regierungsbildung wagte es der alte und neue Premierminister Raimond Barre, die Zitadelle des französischen Zentralismus und damit ein Bollwerk der politischen Macht zu zerschlagen: Er teilte das Wirtschafts- und Finanzministerium in zwei getrennte Ressorts auf.

Die Angst im Nacken

Noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik ist feiner Tarif runde so oft, so frühzeitig und so leichtfertig von Streik und Aussperrung gesprochen worden wie diesmal – von Arbeitgebern ebenso wie von Gewerkschaften.

Bonner Kulisse

Wolfgang Schmidt (Niederselters), als Nachrücker für den verstorbenen SPD-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Schwabe seit drei Monaten wieder Mitglied des Bundestags (er war es schon von 1969 bis 1976), sorgte mit seiner Forderung, Bonn solle die Staatssubventionen für die Berlin-Flüge ausländischer Fluggesellschaften streichen, für Schlagzeilen.

Neun bauen eine Festung

Seit es Gipfeltreffen der europäischen Staats- und Regierungschefs gibt, achtet der französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing peinlich darauf, daß er beim Eröffnungslunch als letzter erscheint.

Sachs bleibt bei Sachs

Nur wenig Chancen hat der britische Konzern Guest, Keen & Nettlefolds Ltd. (GKN), doch noch eine Dreiviertelmehrheit an der Sachs AG zu erwerben.

Verkauft sich selbst am besten

Österreichs Bundeskanzler hat wieder einmal ganz groß in Wirtschaft gemacht. Nachdem er zu Jahresbeginn aus Moskau mit leeren Händen zurückkam, präsentierte Bruno Kreisky jetzt nach der Rückkehr aus der DDR seinen staunenden Landsleuten eine lange Liste wirtschaftlicher Erfolge.

Nachfolger ohne Nachfolger

In die Trauer über den Unfalltod des Vorsitzenden der Geschäftsführung des Münchner Luft- und Raumfahrtkonzerns Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) mischt sich Ratlosigkeit: Weder im Unternehmen selbst noch von außen bietet sich ein Nachfolger für den 49jährigen Helmut Langfelder an, der erst zu Beginn des Jahres als Nachfolger Ludwig Bölkows an die Spitze des MBB-Managements getreten war.

Healey, ein Mordskerl

Schatzkanzler Denis Healey präsentierte sich der Nation als eine Art konservativer neokeynesianischer Moneatrist – in seiner Budgetrede aus dem Unterhaus.

Was tun mit einer Milliarde?

Hieße er Karl Müller und gälte sein Interesse der Firma Franke & Co – die Öffentlichkeit bliebe ungerührt. Da er aber Friedrich Karl Flick heißt und da seine Zuneigung dem Unternehmen des Hans Gerling gilt, ist das Echo breit und laut.

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