Berlins Fremdenverkehrsfachleute waren erstaunt, als sie das Ergebnis einer Umfrage unter ihren Gästen studierten: Deutschlands größte Stadt hat zwei Arten von Touristen, die jüngeren und die älteren. Wie in keiner anderen Stadt gehen sie ganz unterschiedlichen Interessen nach.

Das junge Volk (bis 35 Jahre) sucht an der Spree vornehmlich Unterhaltung, Vergnügungen und Kontakte. Kneipentouren, vornehmlich abseits der Ku-Damm-Restauration, stehen an der Spitze ihrer Wünsche, Folklore- und Jazzlokale sind gefragt, gespeist wird in Mittelklasse-Restaurants, der Einkaufsbummel findet bevorzugt in Trödelläden statt. Im Stadtbild wandeln die Jungen am liebsten auf Zilles Spuren. Und kulturell sind sie ebenfalls wesentlich aktiver als die älteren Berlinbesucher, zumindest, was Ausstellungen, Galerien und Theater anlangt.

Nur hinsichtlich der Oper haben die Älteren eine Präferenz, ansonsten schätzen sie besonders die traditionellen Besichtigungsstätten, die Fahrten ins städtische Grüne und den Einkaufsbummel auf dem Ku-Damm. Letzterer ist gemeinsam mit einem Gang zur Mauer der Spitzenreiter unter den Aktivitäten der Besucher zwischen 36 und 60 Jahren. Nächst der Mauer sind das Brandenburger Tor, die Siegessäule, der Funkturm und der Reichstag die beliebtesten Ziele der Älteren. Auch die Jüngeren bevorzugen, wenngleich mit geringerer Intensität, Brandenburger Tor und Siegessäule. Überraschenderweise konzentriert sich ihr Besichtigungsinteresse hauptsächlich auf das Charlottenburger Schloß, dem die Älteren zwar auch viel, aber vergleichsweise weniger Neugierde entgegenbringen. Fazit der Befrager: die Jüngeren suchen den aktiven, eigeninitiativen Berlinurlaub, die Älteren (die mehr Geld ausgeben) suchen den "gelenkten, traditionellen Touristenurlaub".

Beiden will das Verkehrsamt künftig stärker entsprechen. Den jugendlichen Besuchern entspricht die veränderte Werbung, die weniger mit Berlinsymbolen und stärker mit dem "sympathischen Berliner mit Herz" operiert. Den älteren soll das kontaktfreudige Berlin leichter zugänglich gemacht werden, beispielsweise mit der "offiziellen" Benennung von Kneipen in verschiedenen Teilen der Stadt, veröffentlich in der zweimal jährlich erscheinenden "Berlin-Zeitung".

Demselben Personenkreis soll zugleich mit mehr Hinweisen auf die städtischen Informationsstellen gedient werden. Den Geschmack aller Berlinreisenden wird, so hoffen die Berliner, schließlich ein Vorhaben entsprechen, das derzeit betrieben wird: eine kräftige Erweiterung des kulturellen Sommerprogramms. K. V.