Von Peter Jennrich

Wer sich wirklich informiert wähnt", so berichtete ein Ärztemagazin seiner Leserschaft amüsiert, der "trägt jetzt E statt C". Die Kürzel galten zwei Vitaminen, der Spott einer jenseits des Atlantik gerade wechselnden Vitaminmode.

Seither sind sechs Jahre vergangen. Vitamin C (Ascorbinsäure) überstand modische Anwandlungen und beschäftigt unterdes auch hierzulande Experten mit der Frage nach einer Antikrebs-Wirkung.

Umsatzfördernde Schützenhilfe leistete dem Hausmittel 1970 der zweifache Nobelpreisträger Linus Pauling. Er postulierte, daß hochdosiertes Vitamin C gegen Erkältungen wirksam sei. Und auf der Nobelpreisträger-Tagung 1977 setzte der gelernte Chemiker nach: Ascorbinsäure kann die Überlebenszeit hoffnungslos Krebskranker verlängern und womöglich gar der scheinbar unkontrollierten Krebszellteilung wehren.

Erschöpfte sich die Kritik an Paulings Empfehlung bald an seiner Hypothese, so entzündete sich doch eine vorerst nicht zu entscheidende Kontroverse.

Zwar zerpflückten Fachleute den Bericht eines schottischen Arztes, der mit einem drittel Kilo Ascorbinsäure monatlich die Lebensqualität todgeweihter Krebsopfer deutlich gebessert sah. Ihr Einwand: Das Karzinomstadium der Kontrollgruppe war im Nachhinein bestimmt worden.

Wohl aber, steht eine exakte Wiederholung der Untersuchung an. Im Durchschnitt nämlich wiesen die 100 Patienten eine Überlebensdauer von 201 Tagen gegenüber 50 Tagen in der Kontrollgruppe auf.