"...trotzdem Ja zum Leben sagen", von Viktor E. Frankl. Das Buchenwaldlied wurde berühmt durch die Forderung "... trotzdem Ja zum Leben sagen". Wer Berichte über die Geschehnisse in den Konzentrationslagern las, muß bezweifeln, ob es überhaupt möglich war, Sinn im Leben, das nichts als Leiden war, zu sehen. Die Erniedrigungen, denen die Menschen ausgesetzt waren, hatten Entmenschlichungen zur Folge, die das Bild von Würdelosigkeit, Haltlosigkeit und Verrohung bestimmten. Das Bild ist einseitig; es gab Ausnahmeerfahrungen der Erhöhung, Verinnerlichung, Einsicht. Margarete Buber-Neumann berichtet von Menschen, die, um es mit Dostojewski zu sagen, "ihrer Qual würdig waren". Auch Viktor E. Frankl, Überlebender von Auschwitz und Dachau, berichtet von wenigen Auserwählten, die "... trotzdem Ja zum Leben sagen". "Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager", nennt Frankl seine theoretisch-analytische Reflexion im Untertitel, die sich nur peripher im Faktischen aufhält und auch im erzählerisch Literarischen nicht ihre eigentliche Aufgabe erkennt. Nicht durch Dokumentation sucht der Wiener Wissenschaftler zu überzeugen, sondern durch so etwas wie methodische Phänomenologie. Der Autor, der an sich selber die verschiedenen Stadien der Veränderung studieren konnte, verdankt seinem intellektuellen Beobachtungsinstrumentarium, dieser Fähigkeit, sich von außen zu sehen, jene physische Robustheit, die ihn zum psychischen Leben befähigte. Das Buch ist nicht etwa eine späte Betrachtung über Zeiten, die gewesen sind, sondern eine spontane Niederschrift aus den ersten Nachkriegstagen. (Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager; Kösel Verlag, München, 1977; 197 S., 19,80 DM.)

Sabine Schultze

"Roms Cäsaren", von Michael Grant. Michael Grant, einer der produktivsten Autoren der Altertumswissenschaft, hat eines der fruchtbarsten Themen seines Bereiches aufgegriffen. In der Antike hat bereits Sueton die Biographien der zwölf ersten Kaiser Roms zusammengestellt. Was er zu tun übrig ließ, holt Grant nun nach; dem biographischen Bericht werden historische Hintergründe hinzugefügt: Die Perspektiven Suetons werden um die Sichten des Tacitus und des Cassius Dio erweitert; die Zeugnisse (Münzen, Inschriften, Papyri) werden ausgewertet und eingearbeitet. So entstehen bunte, berichtende Bilder von beträchtlicher Breite, denen jeweils konzise Kurzfassungen des äußeren Lebensablaufes vorangestellt werden. Das Exemplarische der einzelnen Gestalten tritt deutlich in den Blick. Ein glänzend geschriebenes, vorzüglich verdeutschtes Buch. (Aus dem Englischen von Karl-Eberhard und Grete Felten; Verlag C. H. Beck, München, 1978; 340 S., Abb., 34,– DM.)

Bernhard Kytzler