Berlin: "Kunst aus Berliner Privatbesitz

Als die Multiplikation von Kunstmessen überall zu einer Messemüdigkeit führte, haben die West-Berliner Kunsthändler als erste das Handtuch geworfen. Auf in Kojen gebündelte kunsthändlerische Kraftakte wollten sie fortan verzichten, dennoch wollen sie nicht untätig sein, vor allem jene nicht, die in der Interessengemeinschaft Berliner Kunsthändler (IBK) organisiert sind (deren Aktivitäten der Senat jährlich mit rund 100 000 DM unterstützt). Sie wollen die Berliner Kulturlandschaft nun mit "Kunsttagen" beleben, zwei Wochen, in denen die Bildende Kunst die Hauptrolle spielen soll. Zeitlich angesiedelt im kulturarmen Intervall zwischen Filmfestspielen und Theatertreffen, finden sie jetzt zum erstenmal statt. In diesem Jahr klappte das noch nicht ganz. Nur zwei offizielle Institutionen waren zum termingerechten Mitmachen bereit. Mittelpunkt der "Kunsttage" ist in diesem Jahr eine Ausstellung, die die IBK selbst arrangierte: "Kunst aus Berliner Privatbesitz." Solche temporären öffentlichen Präsentationen von privatem Kunstbesitz werden üblicherweise gern als demokratisierende Kunstgeste annonciert; Privates werde da publik gemacht, heißt es dann. Die Berliner Kunsthändler haben auf solchen Schmus ehrlicherweise verzichtet Rund 500 Arbeiten von 300 Künstlern, entliehen aus etwa 80 Haushalten, wollen unisono beweisen, daß es trotz des herben Berliner Kunstklimas einen stattlichen Privatbesitz in der Stadt gibt. Die Schau wurde zu einer potpourrihaften Enzyklopädie durch die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Jahrhundertwerke fehlen. Die ganz großen Namen (Picasso, Warhol, oder auch die Brücke-Maler) sind meist nur mit Graphik vertreten. Daß auch die weniger prominenten Künstler nur in Ausnahmefällen mit ihren besten Arbeiten vertreten sind, kann an der Organisation oder der Scheu der Sammler liegen, sich von ihrem besten Stück zu trennen. Darüber hinaus macht die Ausstellung klar, daß in der Nazizeit die potenten Sammler vertrieben wurden und daß in der Nachkriegszeit mit der Abwanderung der Kommandozentralen der Industrie auch ein Exodus der Kunstkäufer erfolgte. Unter Berücksichtigung dieser Handikaps bleibt die Schau immerhin beachtlich. (Akademie der Künste, bis 15. Mai, Katalog 12 Mark) Daghild Bartels

Lübeck: "Carl Fredrik Hill – Gemälde und Zeichnungen"

"Ich bin jetzt zu der Überzeugung gelangt", schreibt der 27jährige Carl Fredrik Hill im Sommer 1876, "daß in der Kunst nichts anderes zu suchen ist als das Wahre, le vrai. Abernicht das Banale, Naturalistische, sondern – das Herz des Wahren". Die Landschaften, die der seit 1873 in Frankreich lebende Schwede zu dieser Zeit malt, sind hell Und offen. Seine Ängste und Psychosen ("Wenn sie nicht aufpassen, werden sie noch verrückt", hatte ihn Max Liebermann gewarnt) scheinen überwunden. Der verschlossene Einzelgänger glaubt sich endlich befreit und dem großen Ruhm näher als je zuvor. Doch die erwartete Anerkennung, der spektakuläre Durchbruch bleibt aus. Enttäuscht befindet, sich der Ehrgeizige bald wieder in der alten Welt, kehrt zurück zu kargen Landschaften, in denen Menschen nur als Einzelne, Vereinzelte vorkommen – wie der Trauernde in der winterlichen "Friedhof"-Szenerie, einem seiner letzten großen Gemälde von 1877, dem Jahr, in dem Hill die Grenze zur Schizophrenie überschreitet. Nach diversen Klinikaufenthalten kehrt er schließlich zurück ins Elternhaus und lebt bis zu seinem Tod 1911 in Lund. Zurückgezogen, isoliert, vergessen nicht nur von der Kunstwelt arbeitet er hier. Tausende von Zeichnungen entstehen. Verstanden werden sie nicht. Die "Gesunden" finden keinen Zugang zur grenzüberschreitenden Bilderwelt des Kranken, der sich zeichnend von innerem Chaos, Ängsten, Visionen zu befreien sucht und vernichten die in ihren Augen obszönen, wertlosen Blätter: Trotzdem blieben 3500 Arbeiten erhalten, darunter afrikanische Landschaften, orientalische Figuren, Stilleben, Geschichtsillustrationen und Ballettfolgen. Die jetzt ausgestellten 57 Zeichnungen der letzten Lebenshälfte geben zusammen mit 14 frühen Landschaftsgemälden einen sehr schönen Einblick in das ebenso sensible wie eigenständige und vielschichtige Werk des fast Vergessenen. St.-Annen-Museum bis 28. Mai, Katalog 3 Mark) Raimund Hoghe

Wichtige Ausstellungen

Berlin: "Carl Meffert/Clément Moreau" (Haus am Mariannenplatz, Bethanien bis 30. April, Katalog 19 Mark)

Berlin: "Aspekte der 60er Jahre – Sammlung Onnasch" (Neue Nationalgalerie bis 23. April, Katalog 18 Mark)