Von Erika Martens

Schon die Römer kannten sie, die Salben und Öle, die ein jugendliches Aussehen auch im reiferen Alter versprechen. Und nicht nur Römerinnen wußten solche Schönheitsmittel zu schätzen, auch die Helden des Altertums waren durchaus nicht frei von Eitelkeit. So hatte der Medicus, der in jenen Tagen die Mixturen nach geheimen Rezepten zusammenstellte, viel zu tun. In den Badehäusern mittelalterlicher Städte waren es dann schon die "Bademägde", die mit Körperpflege und Massagen für das leibliche Wohl der Menschen sorgten. Später übernahmen besonders geübte Zofen diese Dienste.

Zum Beruf in der Form, wie wir ihn kennen, wurde die Kosmetikerin in Deutschland aber erst Anfang dieses Jahrhunderts, als ein Berliner Arzt die erste Ausbildungsstätte gründete. Doch bis heute gibt es noch kein verbindliches Berufsbild und keinen "ordentlichen" Abschluß für Kosmetikerinnen. Dabei "hat man seine Haut doch nur einmal", meinen die Experten. Und schließlich sei es viel gefährlicher, wenn eine schlecht ausgebildete Kosmetikerin zum Beispiel einen Leberfleck entferne, der gar keiner ist, und damit die Gefahr eines Hautkrebses beschwört, als wenn ein Friseur einem Kunden die Haare falsch schneidet.

Die Haare wachsen nach, sie können nicht so grundlegend verdorben werden wie eine Haut. Das Paradoxe ist jedoch, daß der Beruf des Friseurs eine dreijährige Lehrzeit, die Gesellenprüfung und bei Eröffnung eines Salons die Meisterprüfung erfordert. Für Kosmetikerinnen aber gibt es nichts dergleichen.

Zwar ist ihr Beruf seit 1965 als "handwerksähnliches Gewerbe" anerkannt, unterliegt aber keiner Überwachung. Und so gilt im Grunde, überspitzt formuliert, für diesen Berufsstand: "Mit 75 Mark sind Sie dabei", 25 Mark nämlich für den Gewerbeschein und 50 Mark für die Eintragung in die Handwerkrolle, die einzigen amtlich geregelten Voraussetzungen für das Betreiben einer Kosmetikpraxis.

Schwarze Schafe gibt es deshalb reichlich. In Zeitungsannoncen werden denn auch immer wieder junge Mädchen, mit dem Versprechen einer kostenlosen Ausbildung, angelockt. Das dicke Ende kommt meist nach, wenn sich nämlich später herausstellt, daß mit der Unterschrift unter den Ausbildungsvertrag auch die Verpflichtung übernommen wurde, bestimmte Mengen an Salben und Wässerchen abzusetzen, was ungeahnte Schwierigkeiten heraufbeschwört. Zudem wird meist nur eine Ausbildung im Schnellverfahren geboten.

Auch die Berufsbezeichnung "Kosmetikerin" ist ungeschützt. Und so werden Kundinnen mit Phantasiebezeichnungen wie "Fachkosmetikerin" oder "ärztlich geprüfte Kosmetikerin" häufig getäuscht. Alle diese Titel sagen nämlich zunächst nichts über die Qualität der Kosmetikerin aus.