Nach dem Unfalltod Langfelders bleibt der Konzern vorläufig ohne Führungsspitze

In die Trauer über den Unfalltod des Vorsitzenden der Geschäftsführung des Münchner Luft- und Raumfahrtkonzerns Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) mischt sich Ratlosigkeit: Weder im Unternehmen selbst noch von außen bietet sich ein Nachfolger für den 49jährigen Helmut Langfelder an, der erst zu Beginn des Jahres als Nachfolger Ludwig Bölkows an die Spitze des MBB-Managements getreten war.

Über eines sind sich die Gesellschafter und Aufsichtsräte aber im klaren: Die seit langem angepeilte Neuordnung der Gesellschaftsverhältnisse muß jetzt durchgezogen werden. Denn vorher, so sagte es Jochen Mackenrodt, der als Vertreter des Anteilseigners Siemens dem MBB-Aufsichtsrat angehört, setzt sich kein Spitzenmanager auf den verwaisten Stuhl Langfelders.

Für diese Neuordnung gibt es nach Mackenrodt einen klaren Ablauf: Zunächst müssen alle Altgesellschafter auf ihre Option auf den knapp neunprozentigen Anteil der Boeing Co. verzichten. Der amerikanische Hersteller will nämlich ausscheiden und dürfte mit den neuen Interessenten Allianz Versicherungs AG, Robert Bosch GmbH und Motoren- und Turbinen-Union (MTU) einig werden.

Danach müßten der Freistaat Bayern (er hält zusammen mit der staatseigenen Bayerischen Landesanstalt für Aufbaufinanzierung knapp 26 Prozent) und die Freie und Hansestadt Hamburg (sie hält zwanzig, Prozent) beschließen, daß sie sich gemeinsam mit einer Schachtelbeteiligung begnügen und ihre übrigen Anteile an die drei Neuen verkaufen. Mit der Boeing-Quote kämen diese dann zusammen auf eine Schachtel.

Die neuen Gesellschafter wollen dann ihre Anteile gemeinsam in einer Holding poolen, wie es schon Siemens, Thyssen und die französische Aerospatiale (Snias) mit der Holding Fides praktizieren. Damit hätte endlich die deutsche Industrie bei MBB das Übergewicht; die bisherigen offenen und latenten Interessenkonflikte im öffentlich geprägten Gesellschafterkreis fänden, so ist die Hoffnung, ein Ende.

Erst dann sind die Voraussetzungen dafür geschaffen, einen überzeugenden Mann an die Spitze zu holen. Und dies muß schnell geschehen: denn es stehen Fusionsgespräche mit VFW Fokker bevor, und es müssen die Kooperationsgespräche mit den anderen europäischen Luftfahrtfirmen über die Ausweitung des Airbus-Programms zu einer "Familie" vorangetrieben werden. Nur so kann schließlich der schlagzeilenträchtige Aufwind für den europäischen Airbus nach dem Groß-Auftrag der Eastern Airlines anhalten.