Sie nicht so trotzig wie die Torri, die neunzig Wachtürme an den Küsten von Korsika, und sie werfen sich nicht so sinnlos an die Brust wie die Hunderte von Bismarcktürmen, mit denen Deutschland sich hat spicken lassen, aber sie beherrschen mehr und mehr die Landschaft: die dreizehnhundert "Taubentürme in Tinos". So heißt der Bilderband, in dem viele davon, photographiert von Maren Heyne, versammelt sind (mit einer Einführung von Argyris Sfountouris; Verlag Dieter Fricke, Siesmayerstraße 10, Frankfurt am Main, 1977; 72 S., 91 Abb., 68,– DM): weiß getünchte Paläste, reich dekoriert mit geometrischen Ornamenten wie Dreiecken, Quadraten und Rhomben, auch mit Sonnen und stilisierten Zypressen oder den Initialen der Bauern. Wie in anderen Mittelmeerländern züchtet man auch auf der griechischen Kykladeninsel Tinos Tauben weniger aus mythologischer Anhänglichkeit als Liebes-, Fruchtbarkeits-, Toten-, Seelen- oder Friedensvögel, gewiß kaum noch als Brieftauben, mit denen seefahrende Insulaner ihre Rückkehr melden lassen müßten, als um sie zu essen und um mit ihrem Mist das terrassierte Land zu düngen. Manfred Sack