Warum für eine Ausnahmegenehmigung für die Fusion mit Guest, Keen & Nettlefolds Ltd. keine Chancen bestehen

Nur wenig Chancen hat der britische Konzern Guest, Keen & Nettlefolds Ltd. (GKN), doch noch eine Dreiviertelmehrheit an der Sachs AG zu erwerben. Nachdem der Bundesgerichtshof diese Elefantenhochzeit untersagt hatte, blieb den Briten zwar noch die – jetzt genutzte – Möglichkeit, beim Bundeswirtschaftsministerium eine Ausnahmeerlaubnis zu beantragen. Aber es ist aussichtslos, zumal die bisher bekanntgewordene Begründung von GKN sich überhaupt nicht an den Bestimmungen des Kartellgesetzes orientiert.

Interessant an diesem Vorgang ist nur, daß sich die Sachs AG diesem Erlaubnisantrag nicht angeschlossen hat. Und das wird seine Gründe haben.

Das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) bestimmt in seinem Paragraphen 24, daß der Bundeswirtschaftsminister die Erlaubnis für einen Zusammenschluß erteilen kann, "wenn im Einzelfall die Wettbewerbsbeschränkung von gesamtwirtschaftlichen Vorteilen des Zusammenschlusses aufgewogen wird oder der Zusammenschluß durch ein überragendes Interesse der Allgemeinheit gerechtfertigt ist".

Die britischen Manager haben bislang nicht dargetan, wo die gesamtwirtschaftlichen Vorteile oder das überragende Interesse der Allgemeinheit an der Sachs/GKN-Fusion liegen soll. Es wird ihnen auch schwerfallen.

Nicht einmal die betriebswirtschaftlichen, unternehmerischen Vorteile der Fusion liegen auf der Hand. Es hat auch schon Riesenfusionen gegeben, die ins Auge gegangen sind, wie etwa der Zusammenschluß von Schultheiß mit der Dortmunder Union-Brauerei.

Das Zögern von Sachs, sich an dem Antrag beim Wirtschaftsministerium zu beteiligen, laßt vermuten, daß auch dort einige Zweifel am Sinn der Fusion aufgetaucht sind und daß demzufolge den Sachs-Managern das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) nicht eben unwillkommen war.