• Herr Kapfer, Sie haben mit der Hoffmann-Gruppe in Neuburg einen interessanten Firmen-Tarifvertrag abgeschlossen. Wie ist der Abschluß zustände gekommen, und welcher der beiden Tarifpartner hat ihn angeregt?

Kapfer: Angeregt wurde er von der Hoffmann-Gruppe, weil die Firma der Meinung war, daß unser Tarifgebaren in der Bundesrepublik nicht ganz richtig wäre. Bei uns werde ja im Wirtschaftsjahr schon im vorhinein immer verteilt, was erst erwirtschaftet werden muß. Deswegen war man dort der Meinung, daß es prinzipiell richtiger wäre, Erträge erst zu verteilen, wenn sie erwirtschaftet sind.

  • Im allgemeinen ist ja eine Gewerkschaft sonst nicht bereit, auf diese Argumente einzugehen. Was hat Sie bewogen, das mitzumachen?

Kapfer: Die Chance, daß die Belegschaft in der Tat am Umsatz beteiligt werden kann, über eine Tariferhöhung hinaus. Das war unsererseits der Grund, zu sagen: Jawohl, wir diskutieren darüber.

  • Also war der Vertrag für Sie praktisch die Hintertür, mit der Sie einen bedeutend höheren Abschluß kaschieren, als er in diesem Jahr sonst erreichbar wäre?

Kapfer: Kaschieren ist vielleicht nicht richtig, wir sehen einfach eine Chance,

  • Sie bürden aber den Arbeitnehmern ein gewisses Risiko auf, auch wenn die wirtschaftliche Situation des Unternehmens zur Zeit hoffnungsvoll aussieht, ein Risiko, das bisher Gewerkschaften nicht eingehen wollten, Kann man den Vertrag als Zeichen dafür ansehen, daß die Arbeitnehmerorganisationen jetzt zum Umdenken bereit sind?