Das Centre Georges Pompidou in Paris hat jetzt einen Nachbarn, eine Art Riesenspielzeug. An der linken Schmalseite der Plaza gewahrt man, neben den Entlüftern groß wie Schiffssirenen, eine Doppelbaracke mit Sheddächernund Oberlicht. Es ist das Atelier von Constantin Brancusi (1876—1957), das man hier maßstabgetreu rekonstruiert und mit dem Glashaus verbunden hat. Der rumänische Bildhauer hatte es dem Staat vermacht. Nachdem die Künstlerkolonie im Impasse Ronsin einer Sanierung zum Opfer gefallen war, baute man im alten "Musee National dArt moderne" eine provisorische Nachbildung, die aus Platzmangel eher das Aussehen einer Alchimistenküche hatte. Mit dem Bau des Centre Beaubourg wurde auch das Versprechen an Brancusi eingelöst. Zwar fehlt dem Faksimile auf seiner Betonterrasse das Pitoreske, Eingewachsene der verlotterten Behausung, zu der ein weißer Pfeil mit dem Namen "Brancusi" den Weg wies. Und abblätternde Wände und Atelierstaub lassen sich ebensowenig wiedergeben wie das Ärmliche, Unkomfortable der Unterkunft. Doch im Innern herrscht jene lichte Klarheit, die Brancusi vorschwebte. Das Atelier ist so eingerichtet, wie es an seinem Todestag aussah, man stützte sich auf das Zeugnis von Alexander Istrati und Natalia Dumitresco, die ihren Landsmann in den letzten Lebensjahren betreuten, und auf Brancusis eigene Aufnahmen.

"Als ich den Bildhauer Brancusi zum erstenmal in seinem Atelier sah, war ich tiefer beein druckt als durch jede Kathedrale. Die Klarheit des Raums nahm mir den Brancusis Atelier betrat man eine an Das Weiß, das bis zum selbsterbaute und seinem langen Rohr reichte, wurd da :

durch ein mit dem Beil bearbeitete!

Eichenholz oder durch die metallenen, 1goldeten Strahlen einer dynamischen, polierten Form punktiert, die auf einem Fuß stand. Im ganzen Atelier war kein einziger gekaufter Gegenstand, weder Stühle noch Möbel. Eine in den Boden gegossene Walze von zwei Metern Durchmesser aus hartem weißen Gips diente als Tisch, einige hohle Baumstämme als Bänke. Kleine Kissen machten diese Sitze einladender. Brancusi lebte als Eremit in seinem Atelier im Herzen, von Paris, Nur, einige Freunde kannten sein in Europa totgeschwiegenes Werk. Er weigerte sich, auszustellen: seine Skulpturen waren das Ergebnis jahrelanger geduldiger Arbeit wie eine immer wieder rektifizierte Krümmung oder die Erprobung eines Schiffskiels; sie konnten also nicht jedermanns frivolem Bück ausgesetzt, leichtfertigen Kritiken tmterwcjrfeü werden " jies berichtet Man Ray aus den frühen zwanziger Jahren und erinnert sich dann an Brancusis Lebensgewohnheiten:, ich war einer der wenigen Besucher, die er mit Vergnügen empfing, wenn er den tiefen Gong hörte, den er an den Klingelzug gehängt hatte. Ob ich von Duchamp, dem Maler L£ger, dem Komponisten Satie oder, noch lieber, von einer hübschen jungen Frau begleitet war: stets strahlte Brancusis Gesicht, wenn er die Tür Öffnete. Eines Abends, wir waren vier oder fünf, lud er uns zum Essen ein, was selten vorkam: Gipfel der Gastlichkeit. Er warf einen Lammschenkel in die Asche seines Herdes und deckte auf der Gipsplatte, um die herum wir saßen, rumänischen Schnaps tranken und auf den Braten warteten. Zum Lamm gab es eine riesige Schüssel Polenta und viel Wein. Am Ende waren alle sehr lustig. Nach, dem Essen stapelte Brancusi die Teller im Spülstein in der Atelierecke und kam mit einer harten Stahlbürste zurück, mit der er den Tisch bearbeitete, bis er wieder hell und proper war. Unsere Kleidung war mehr oder weniger gipsweiß, aber er meinte, wir sollten uns keine Sorgen machen, Gips sei sehr sauber. Brancusi selbst trug alte Arbeitshosen, die nach der Mahlzeit sauberer wirkten als vorher. Er brachte noch mehr Alkohol, wir tranken, dann kam er mit einer Geige und spielte rumänische Volksweisen, dieer mit einem Tänzchen begleitete. Das alles war sehr urtümlich, verglichen mit den raffinierten, polierten Werken, die den Raum füllten "

Der heutige Eindruck ist im wesentlichen noch der gleiche. Das Atelier besteht aus zwei Hälften: je einem doppelten Wohn- und Werkstattraum. Die Zwischentür rahmen vom Künstler geschnitzte Zahnbohlen im Stil bäuerlicher Architektur. Im Durchgang sind die alten Stellagen angebracht, auf denen Kinderköpfe aus Marmor liegen. Links an der Wand Rufnummern, mit Bleistift notiert. Brancusi war extrem mißtrauisch gegenüber der Außenwelt, ging nicht zur Post und ließ keine Handwerker oder Ärzte zu sich; auch von Politik wurde nie gesprochen. Schließlich gab er dem Drängen der Freunde nach und ließ Telephon legen, nahm aber nur nach Laune ab und versteckte den Apparafejjianeben in die Bretter eingepaßt ein flachgj J j 5iy0ek mit einer Vertiefung in der Mit Radio geschenkt hause fort, paßte ein und postiert es kristallin!

Durchgan Mand< Bra instler ein ;das GePlatte fflSockel, wo Rechts im : Violine und :te, Reißschienen, erweise ein Sack Quinn und Henri1923 seine Partner, Eric MSfärlinige Kaminsims ist eine Arbeit in erloschenen Feuer ein enormer Kesfvir Hirtenmahlzeiten. Am Boden stehen die Tischmühlsteine durchbrochene, rftakelbraun patinierte Holzhocker wie für afrikanische Stammeskönige. An den Wänden des Arbeitsträkts hängt das Werkzeug dieses sägenden, schreinernden, meißelnden, feilenden und polierenden Künstlers: eine Sammlung handwerklicher Geräte, die in ihrer Vollständigkeit und fast schon vergessenen Verwendung an Volkskundemuseen erinnert. Dazu Gemälde Brancusis, wie Safes verriegelte alte Keilrahmen. Ganz oben am Fenster das einzige Stück Natur in diesey prästabilierten Harmonie: eine gebogene, knorrige Baumwurzel. Zufall, VergeßlichkeitPJVHtnichten. Sie ist bereits auf Atelierphotos von 192425 sichtbar, ein Stück ständigen Inventars.

Überall Plastiken. Außer dem liegengebliebenen Narziß Brunnen von 1909 sieht man kaum bten, verknappten, [de, auf Ei oder Organischen heränheitlichte For£ machten, wurde problematisch.