Von Gabriel Laub

Der Waffenhandel ist ein äußerst menschenfreundliches Gewerbe, mit leichtem Hang zum Idealismus und zur Weltverbesserung. In der Tat – im privaten Leben pflegen selbst gute und sanfte Menschen zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, Waffenhändler dagegen bemühen sich, solche diskriminierenden Unterschiede nicht zu machen. Sie verkaufen an Feinde oder potentielle Feinde genausogern wie an Freunde, abgesehen von einigen wenigen Situationen – zum Beispiel während der direkten Kriegshandlungen – in denen es umständlich wird.

Aber auch da schafft man es bei gutem Willen. Vielleicht liefern sie sogar an Feinde lieber, denn Freunde benehmen sich manchmal unverschämt – sie versuchen die Freundschaft ins Spiel zu bringen, wenn es um Preise, Liefertermine und Kredite geht. Wenn man also die seltenen Heiligen dieser Welt nicht mitrechnet, sind die Waffenhändler, private und staatliche, die einzigen, die das Gebot, unsere Feinde mehr als uns selbst zu lieben, erfüllen.

Wir, einfache Steuerzahler, wundern uns manchmal und meckern darüber. Das beweist aber nur unseren Unverstand. Erstens, es ist in der Politik sehr schwer zu unterscheiden, wer Feind und wer Freund ist, und besonders, wer dies oder jenes werden kann. Selbst aber, wenn man das immer genau wüßte – warum soll ein großer Waffenproduzent nicht an potentielle Feinde liefern? Einem kleinen Waffenhändler kann passieren, daß einer zu ihm kommt, eine Pistole kauft und den Händler sofort erschießt. Das ist das Risiko dieses Berufes. Bei einem Großen ist es jedoch höchst unwahrscheinlich, daß die Bombe, die er verkaufte, ausgerechnet sein Haus trifft und das noch zur Zeit seiner Anwesenheit im Hause. Also!

Waffenhandel en gros ist keine rein private Sache. Die Transaktionen müssen von Regierungen gebilligt werden. Erst wenn eine Regierung ihre Genehmigung verweigert, wird es irgendwie ohne Genehmigung gemacht, was unnötige Umwege verursacht. Dies ist für alle Beteiligten unangenehm, deshalb ist es am besten, wenn die Regierung offiziell nichts weiß und somit nicht offen Stellung nehmen muß.

Wenn man von der absoluten Zahlungsunfähigkeit des Käufers absieht – und davon sieht man im Waffengeschälft oft ab – gibt es für eine Regierung nur wenig Gründe, Waffenverkäufe zu unterbinden, denn sentimentale, abstrakt humane Erwägungen sind keine politisch oder ökonomisch überzeugende Argumente.

Versuchen wir zu analysieren, welche Arten von Waffenkäufern es gibt, Zuerst sind die Freunde und Verbündeten da. Die mit Waffen zu beliefern, ist nicht so wichtig. Es sind ja eh Freunde und werden es bleiben, auch wenn man ihnen nichts gibt. Außerdem, Verbündete zu stärken, ist riskant, sie könnten dann eine größere Rolle im Bündnis spielen wollen. Es ist auch moralisch nicht so verdienstvoll, denn es steht nirgendwo geschrieben "Liebe deine Freunde!".