Auch das Engagement bei Gerling befreit Flick nicht aus seinen Anlage-Nöten

Hieße er Karl Müller und gälte sein Interesse der Firma Franke & Co – die Öffentlichkeit bliebe ungerührt. Da er aber Friedrich Karl Flick heißt und da seine Zuneigung dem Unternehmen des Hans Gerling gilt, ist das Echo breit und laut. Wo sich zwei Reizfiguren treffen, können sie tun, was sie wollen – die Neugier der Unbeteiligten ist garantiert.

Doch auch Beteiligte kann Flicks neuester Coup nicht kalt lassen: Wenn einer der potentesten deutschen Industriekonzerne bei einem der potentesten deutschen Industrieversicherer mit ans Ruder will, muß das bei den Versicherten wohl Irritationen auslösen. Wo immer Flick aus der Reserve tritt – für Unruhe ist gesorgt.

Nun ist ja der Flicksche Drang, die Deckung zu verlassen, nicht gerade ein typisches Verhaltensmerkmal des Hauses in Düsseldorf, Dahinter muß Druck stehen, und zwar gewaltiger Druck. Und wieder mal ist bei Flick alles anders. ihn treiben nicht, wie man das von überallher kennt, die leeren Kassen. Ihn treibt die volle Kasse. Und um dem Problem schließlich noch eine weitere Dimension zu geben: Den Friedrich Karl Flick und seine Manager drängt nicht nur die Frage, was tun mit dem vielen Geld, sondern auch die Sorge, es beizeiten unterzubringen.

Die Rede ist von Milliarden, jenen rund zwei Milliarden, für die Flick 1975 den größten Teil seines Besitzes an Daimler-Benz versilbert hatte, um sie rentierlicher anzulegen. Daß das Daimler-Paket mithin als vergleichsweise unrentierlich etikettiert war, hat damals verwundert; Verwunderungen indes legen sich mit der Gewöhnung. Die Mutmaßung von damals, daß es schwer werden würde, Besseres zu finden, hat sich unterdessen freilich erhärtet.

Diese Mutmaßung hatte, wie angedeutet, auch eine zeitliche Komponente. Denn der Buchgewinn jener Transaktion – 1,8 Milliarden Mark immerhin – muß bis zum Ende dieses Jahres wieder angelegt sein. Jedenfalls dann, wenn der Fiskus sich seinen Teil nicht holen soll. Die Wiederanlage muß überdies, so schreibt es der berüchtigte Paragraph 6 b des Einkommensteuergesetzes vor, volkswirtschaftlich förderungswürdig sein.

Was ist geschehen, seit Flick am 2. Januar 1976 den Daimler-Lohn bekam? Runde 290 Millionen Mark investierten die Düsseldorfer in den amerikanischen Mischkonzern Grace & Co, wo sie, mit einer Beteiligung von zwölf Prozent, zum größten Einzelaktionär wurden. Hundert Millionen gingen an die Konzerngesellschaft Dynamit Nobel, fünfzig Millionen an deren Schwester Buderus. Beide agieren nun auf einer breiteren Eigenkapitalbasis. Alle drei Engagements erwiesen sich als "6 b-fähig". Das heißt: Ein Viertel des Daimler-Buchgewinns ist unter Dach – nach zwei Jahren. Drei Viertel sind noch im Spiel, für acht Monate.