ZDF, Donnerstag, 13. April, 22.20 Uhr: "Madame X – Eine absolute Herrscherin",von Ulrike Ottinger

Höfisches Ritual und Chiffre des Unbekannten, gekoppelt an ein erotisches Versprechen, das ist für einen Filmtitel schon ein Programm, das in Hollywood zum Beispiel (von 1920 bis 1965) viermal verfilmt wurde. Damit hat dieser Film nichts im Sinn. Er verspricht keine Pikanterie für Männerphantasien, sondern halluziniert ein Ritual von Frauenherrschaft, in dem der Feminismus glücklos bleibt. Denn der herrschaftsfreie Diskurs, von dem wir alle träumen, ist nicht putschistisch: ohne den Diskurs über die Herrschaft der Träume zu führen.

Madame X, auf ihrer Piraten-Dschunke eine absolute Herrscherin, sendet eine Botschaft über alle Meere an alle Frauen, denen sie Gold, Liebe und Abenteuer verheißt. Flora Tannenbaum, die deutsche Försterin, empfängt die Nachricht aus der FAZ; auf Josephine de Collage, die europäische Künstlerin, regnen Papierschnipsel; Betty Brillo, amerikanische Hausfrau, findet die Botschaft im Einkaufskorb; der Psychologin Carla Freud-Goldmund wird sie von einer Patientin auf der Couch zugesteckt; das Photomodell Blow Up erhält einen Anruf am Autotelephon; die Buschpilotin Omega Zentauri trifft der Appell im Funkdialog mit der Bodenstation; Noa-Noa, die Frau aus der Südsee, fischt eine Flaschenpost auf. So findet sich, zu Fuß, per Rollschuh, auf dem Klappfahrrad, der Rikscha, im Mercedes, im Flugzeug und Kanu, die Mannschaft als Frauenbesatzung der Dschunke zusammen.

Ein Aufbruch der Frauen, rund um die Welt. Sieben Berufe, sieben Möglichkeiten als Frau zu arbeiten, werden addiert zu einer unerhörten Unternehmung, der Eroberungsarbeit von Frauen, die männlichen Territorien gilt. "Biete Welt!" verspricht Madame X und fordert Unterwerfung unter ihre absolute Herrschaft. Die Mannschaft erbringt den Tribut. Wenn dieser Planet, im phantastischen Diskurs dieses Films, nicht herrschaftsfrei zu denken ist, dann wäre die Herrschaft der Frauen noch die beste der Männermöglichkeiten, sich unterdrücken zu lassen.

Das schafft Unbehagen an diesem Film, daß Frauen von Ritualen der Gewalt sich willig faszinieren lassen und – in der Männerphantasie – dabei das Territorium der Unschuld, der Vermeintlichkeit, als Frau ein besserer Mensch zu sein, verlassen. Und im schroffen Gegensatz der Sanftmut in anderen Frauenfilmen den Rücken kehren, die den Frauen "Liebe ohne Scherereien" versprechen, wie noch Agnès Varda in ihrem letzten Film.

Dieser Film hat keine Spur von Ängstlichkeit. Im Gegenteil: denen, die gegen die Faszination dieser ritualisierten, vollkommen ästhetisierten Gewalt stramme Abwehr in Marsch setzen, macht er Angst. Denn auf dem Frauenschiff "Orlando" sind die Flaggen: Angriff, Leder, Waffen, lesbische Liebe und der Tod mit einer Schönheit aufgezogen, die den Zuschauerblick nicht absolut beherrschen will. Die Ästhetik, unterliegt strenger Stilisierung; die ohne Überwältigung sich frei herzeigt. Die wunderbaren Kostüme von Tabea Blumenschein sind kein Korsett fraulicher Formen mehr, sondern flattern frei, bilden, unförmig geworden, die Haut für einen zweiten Körper, der in diesen Frauen steckt. Die Gesten sind auf kleinem Radius abgesteckt, die Mimik ist bisweilen dem Stumme film abgschaut. Das wirkt durchaus komisch, denn mit diesem inszenierten Mißverhältnis, der brillant gehandhabten Asynchronität (ich kenne kaum einen neuen Film, in dem die Funktion des Tons witziger geregelt wäre als hier) arbeitet der Film.

Dennoch herrscht nie blutiger Ernst, sondern die spielerische, selbstironische Phantasie eines denkbaren Bewußtseins. Dieses Bewußtsein der