Spekulanten stoppen den Nachschub und treiben die Preise

Rund 3000 Meter über dem Meeresspiegel, inmitten einer öden Steinwüste, beschwor Leabu Jonathan, Premierminister des südafrikanischen Königreiches Lesotho, jüngst seine Ahnen, ihm und seinem Volk zu helfen. Im schwer zugänglichen Malutigebirge eröffnete er eine der erfolgversprechendsten neuen Diamantenminen Südafrikas.

Tatkräftige Hilfe aus dem Diesseits erhielt der Premier dabei von einem Geschäftsmann: Harry Oppenheimer, Chef des weltweit operierenden Diamantenkonzerns De Beers und Hauptaktionir des südafrikanischen Goldproduzenten Anglo American Corporation. De Beers investierte nicht nur Millionensummen in die neue Mine, sondern garantiert durch seine Londoner Central Selling Organisation langfristigen Erfolg.

Seit über 50 Jahren verpflichten sich nahezu alle großen Produzenten von Diamanten, ihre Steine nur an die von De Beers beherrschte Verkaufsagentur abzugeben. Sie wiederum garantiert ihnen, sämtliche Steine der verschiedendsten Qualität jederzeit zu einem Festpreis aufzukaufen.

Dieses weltweite Kartell der Produzenten funktioniert seit fünfzig Jahren reibungslos. Bei nachlassender Nachfrage der Händler und Schleifer hortet die Londoner Agentur die ungeschliffenen Steine, um sie in günstigeren Zeiten wieder abzustoßen. Dem Diamanten-Regime des Südafrikaners bedienen sich selbst die Sowjets. Obwohl sie vor Jahren offiziell aus der Verkaufsagentur ausschieden, bieten sie ihre Steine über Mittelsmänner längst wieder den Londonern zum Verkauf an.

Rund 300 zugelassene Händler, die sich zehnmal jährlich in London zum Einkauf versammeln, sind so seit fünf Jahrzehnten an stetig steigende Preise gewöhnt. Jetzt allerdings scheint dem Londoner Kartell die Kontrolle über die Diamantenpreise entglitten zu sein. Eine ungewöhnlich starke Nachfrage nach geschliffenen Steinen jeder Größe und Qualität begann bereits im vergangenen Jahr die Preise hochzutreiben.

Nachdem die Londoner Agentur den Preis für Rohware daraufhin im März vergangenen Jahres um 15 Prozent und im Dezember um weitere 17 Prozent angehoben hatte, holte sie jetzt zu einem neuen Preisaufschlag aus: 40 Prozent.