Von Andreas Kohlschütter

Saida, im April

Salah Khalef, alias Abu Iyad, ist neben Yassir Arafat die Nummer zwei in der "Palästinensischen Befreiungsorganisation" (PLO) und deren Kerntruppe, der Fatah. Der unscheinbare, untersetzte Stellvertreter mit dem behaglich runden Gesicht und dem obligaten Schnurrbart wirkt wie ein arabischer Biedermann. Nur die listig lauernden Augen, die sich hart und undurchdringbar verengen können, verraten die Verschlagenheit, Gerissenheit, Gefährlichkeit, die ihm nachgesagt werden. In Wirklichkeit ist Abu Iyad der radikale, der starke Mann im Hintergrund der PLO, der zu Recht gefürchtete Drahtzieher im terroristischen Untergrund.

1933 in Jaffa geboren, führte ihn der palästinensische Flüchtlingstreck über Gaza nach Kairo. Hier lernte er Arafat kennen. Zusammen siedelten die beiden nach Kuwait um, wo Arafat als Chef einer Baufirma gute Geschäfte machte und Salah Khalef sein Brot als Gymnasiallehrer verdiente. Gemeinsam agitierten, debattierten, politisierten sie in den Kreisen der Exilpalästinenser und gründeten sie 1959 die Fatah-Widerstandsorganisation. Gemeinsam machten sie die PLO nach dem arabischen Debakel des Sechs-Tage-Krieges von 1967 zu einem eigenständigen, schließlich auch von Nasser anerkannten Faktor auf dem nahostpolitischen Schachbrett.

Die gewalttätige Vertreibung der Palästinenser aus Jordanien in den Jahren 1970/71 wurde für Salah Khalef zum traumatischen Schlüsselerlebnis. Er geriet in Gefangenschaft, ließ sich vom jordanischen Staatssicherheitsdienst zu einem Kapitulationsaufruf breitschlagen, wurde von König Hussein begnadigt und entwickelte sich in der Folge zum palästinensischen Extremisten. Von nun an fuhr die PLO zweispurig. Während Arafat um internationale Salonfähigkeit bemüht war, schickte Salah Khalef die Mordkommandos seines "Schwarzen Septembers" ins internationale Terrorgefecht. Sie zogen ihre grausige Spur von jenem 28. November 1971, als im Kairoer "Sheraton" der jordanische Ministerpräsident Wasfi Teil im Kugelregen; zusammenbrach, über viele blutige Stationen bis zum jüngsten Anschlag auf der Straße von Tel Aviv nach Haifa am 11. März. Und während Arafat den nationalen Befreiungskampf der Palästinenser propagierte, schlug sich Salah-Khalef auf die Seite der PLO-Linken, die im Libanon den "totalen Volkskrieg" zu entfesseln versuchte und in ganz Arabien revolutionäre, klassenkämpferische Feuer schürt.

Yassir Arafat und Salah Khalef widersprechen und ergänzen sich zugleich. Ohne das diplomatisch-taktische Geschick Arafats wäre die