Die baden-württembergische "Fünf" macht – zumindest in der Metallindustrie – Schule, der Absicherungsvertrag, der dort ebenfalls erstritten wurde, allerdings nicht. In den Metallbezirken von Niedersachsen und Norddeutschland haben die Tarifpartner die Fünf-Prozent-Anhebung akzeptiert, die Absicherung blieb draußen vor. Auch die Pauschale (411 Mark für die ersten drei Monate im Südwesten) wird nicht ohne weiteres übernommen. In Norddeutschland wurden nur für zwei Monate je 137 Mark vereinbart, in Niedersachsen sollen die unteren Lohngruppen zusätzlich angehoben werden. In anderen Bezirken steht eine Einigung bevor.

Wenig glücklich über die Einigung von Stuttgart sind die Arbeitgeberverbände. Sie sehen darin eine Gefahr für Wachstum und Vollbeschäftigung und eine Schwächung der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Vor allem die Besitzstandsgarantie ist nach ihrer Auffassung eine "Bremse für den technischen Fortschritt". Als "gerade noch vertretbar" bezeichnete Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff die Stuttgarter Vereinbarung. Lobende Worte fand nur Arbeitsminister Herbert Ehrenberg, der in dem Abschluß ein bedeutendes Beispiel dafür sieht, wie akute Probleme der Arbeitnehmer von den Tarifparteien bewältigt werden können.

Gute Aussichten für eine ruhige Preisentwicklung sieht das HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung in Hamburg. Im Verlauf des Jahres wird, so meinen die Forscher, die Lebenshaltung im Durchschnitt nur um drei Prozent teurer sein als 1977. Um eben diese Rate war die Teuerung auch im März gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen und hatte damit den niedrigsten Anstieg der Lebenshaltungskosten seit acht Jahren erreicht.