Wo die nördlichen Ausläufer des Jura an den Main herantreten, sich das Tal gegen Westen hin weitet, beginnt daseigentliche Frankenland. Die alte Domstadt Bamberg hat es so geprägt, daß man fast von einer katholischen Gegend sprechen möchte, deren Bewohner Sinn für Prachtentfaltung zeigten und noch "zur größeren Ehre Gottes" streben sollen.

Berühmteste Zeugnisse sind das Benediktinerstift Banz und die in Luftlinie knapp fünf Kilometer gegenüberliegende Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, die von ihren Erbauern so in die Landschaft gestellt wurden, daß man mit Goethe sagen möchte, hier sei "so recht Natur und Kunst vereint". Kloster Banz und Vierzehnheiligen reichen in ihrer Baugeschichte bis ins Mittelalter, doch erst das achtzehnte Jahrhundert rundete die Bauten zu der barocken Pracht, die heute Pilger, Touristen und Architekturverständige gleichermaßen anzieht.

Schloß Banz kann inzwischen nicht mehr besichtigt werden, ihm droht der Verfall. Nach der Säkularisation im Jahre 1803 war das Kloster in den Besitz des Herzogs Wilhelm übergegangen, 1933 wurde es wieder Ordensbesitz, und zwar der "Gemeinschaft von den Heiligen Engeln", die sich um die Seelsorge der Auslandsdeutschen kümmerte. Dieser Orden ist im Aussterben begriffen; die wenigen Hinterbliebenen leben hauptsächlich von den Führungen durch die Kirche, für deren Erhalt Bamberg zuständig ist. Jetzt soll, heißt es, ein Trägerverein Schloß Banz retten, denn der Freistaat Bayern möchte es nicht von den Mönchen geschenkt bekommen. 25 Millionen soll die Renovierung kosten; der Trägerverein soll Eigentümer werden und die künftige Verwaltung übernehmen. Der Staat selbst hat keine Verwendung für das Schloß und argumentiert merkwürdig: Er könne nicht als Träger auftreten und gleichzeitig staatliche Denkmalsschutzmittel für die Sanierung des Klosters gewähren. Einem Trägerverein, zu dem unter anderem der Bezirk .Oberfranken, der Landkreis Lichtenfels und der Erzbischöfliche Stuhl gehören könnten, sei rascher zu helfen.

Den Rundgang durch die Kirche leitet ein Pater. Die Besucher kommen aus aller Welt, jedoch sind es meist von Geistlichen begleitete Gruppen. Der erste Eindruck im Halbdunkel ist verwirrend, so verschachtelt sind die vielen Raumabschnitte. In einer Nische des Längsschiffs hat der Bildhauer Balthasar Esterbauer den heiligen Dionysos dargestellt, der 250 n. Chr. auf dem Montmartre enthauptet wurde und, so die Legende, seinen Kopf aufhob und damit, von Engeln begleitet, noch ein paar Schritte ging.

Die Führung endet draußen an der Südseite der Kirche auf einer wahrhaft fürstlichen Balustrade. Man erblickt den Staffelberg auf dem linken Mainufer, auf dessen Höhe Viktor von Scheffel sein Frankenlied schrieb. Ein anderer Blickpunkt ist die Basilika der Vierzehn Heiligen Nothelfer. Man kann von Banz aus hinüberpilgern, drei Stunden zu Fuß, zwanzig Minuten per Auto.

Vierzehnheiligen, etwa fünfzig Jahre später als Banz erbaut, ist die Antwort des Langheimer Abtes an die Banzer Herausforderung. Es heißt, der Langheimer habe sich gegenüber seinem Amtsbruder gerühmt, er werde dessen gewaltigen Bau "einrahmen lassen", was ihm mit Hilfe der perspektivistischen Größen Verzerrung auch gelang: Der Koloß von Banz paßte tatsächlich in den Türrahmen der Wallfahrtskirche; denn durch die kilometerweite Entfernung wirkte er natürlich wie ein Spielzeugbau. Wegen späterer Bauten und hochgewachsener Bäume kann man das heute leider nicht mehr nach vollziehen.

Besucher von Vierzehnheiligen und Banz verbinden ihren Ausflug meist mit einem Spaziergang im benachbarten Staffelstein. Der Ort liegt am 541 Meter hohen Staffelberg, einer Urweltklippe, die aus neun übereinander gestaffelten Schichten, vom Diluvium bis zum krönenden Franken-Dolomit, besteht. Funde bewiesen, daß er schon vor fast zehntausend Jahren von Menschen besiedelt war. Die Besichtigung des Felsens lohnt auch für Leute, die nicht nur an Erdgeschichte interessiert sind. Vom Plateau aus eröffnet sich der Blick über das Maintal bis zum Frankenwald, bis Bamberg, zu den Haßbergen, gar zur Hohen Rhön.

In Staffelstein gibt es übrigens in einem fünfhundert Jahre alten Fachwerkhaus das erste methodische Rechenbuch von Adam Riese, der hier geboren wurde. J. M.