Die Banken, deren Verbands-Pressekonferenzen in der Bundeshauptstadt immer wieder so gut besucht sind, als seien sie eine der entscheidenden Stützen des Gemeinwesens und die berufenen Fürsprecher des Gemeinwohls – sie werden wohl bald ein neues Gesicht an der Spitze ihres Verbandes präsentieren. Denn Friedrich Wilhelm Christians, amtierender Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken, scheint ins letzte Jahr seiner verbandspolitischen Arbeit zu gehen, obwohl er eigentlich noch drei Jahre im Amt bleiben dürfte.

Wahrscheinlich wird er schon zu Beginn des kommenden Jahres einem Nachfolger Platz machen – möglicherweise einem, den man in Bonn noch beiläufig kennt: Hans Friderichs, bis in den vergangenen Herbst Bundeswirtschaftsminister und jetzt Mitglied des Vorstandes der Dresdner. Bank.

Für ein Ausscheiden Christians’ aus dem Präsidentenamt spricht vor allem, daß er an seinem Haupt-Arbeitsplatz im Vorstand der Deutschen Bank schon bald dringender gebraucht werden könnte als je zuvor. Denn Wilfried Guth, mit dem sich Christians in die Rolle des Vorstands-Sprechers der Deutschen Bank teilt und der in der Branche derzeit als der höchst – karätige Bankier in der Bundesrepublik angesehen wird, gilt als heißer Favorit für die Nachfolge Otmar Emmingers, des Präsidenten der deutschen Bundesbank.

Friderichs wäre als erster Repräsentant bankpolitischer Interessenpolitik sicherlich eine hervorragende Wahl. Er kennt alle, die derzeit in Bonn Rang und Namen haben, und er ist konservativ genug, um denen zu gefallen, die nach 1980 das Sagen haben könnten. Innerhalb seines jetzigen Bank-Vorstands, dessen Sprecher er im Mai wird, braucht er kein eigenes Ressort zu betreuen.

Ganz so, als hätte er sich bereits für de Christians-Nachfolge entschieden – was er offenbar aber noch nicht getan hat –, bemüht et sich auch schon wieder um wärmere Kontakte nach Bonn: Die Dresdner Bank will dort demnächst ein Verbindungsbüro eröffnen, als dessen ersten Mann er seinen Mitarbeiter Bernhard von Löffelholz bestimmt hat.

Daß die neuen wirtschaftlichen Statistiken über ein abruptes Nachlassen der industriellen Produktion und der Auftragseingänge an die deutsche Wirtschaft Otto Graf Lambsdorffs Mitarbeiter im Bundeswirtschaftsministerium betroffen gemacht hat, verwundert nicht, denn diese Daten signalisieren offenbar das vorläufige Ende der Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Daß aber auch die Entwick lung des Preisindex für die private Lebenshaltung die Bonner Fachleute nicht sonderlich froh stimmt, mag eher überraschen, obwohl der Preisanstieg auch im März nur um 3,1 Prozent über dem vergleichbaren Wert des vergangenen Jahres liegt. Im Bundeswirtschaftsministerium befürchtet man jedoch, die Preiskurve könne bald wieder nach oben zeigen. Diese Sorge teilt übrigens auch die von Sparkassen-Präsident Helmut Geiger geleitete "Gemeinschaft zum Schutz der deutschen Sparer".