Sie sind in der Brancheunter dem Sammelnamen "Bresciani" wohl bekannt, aber bei den Konkurrenten nicht beliebt: Hunderte von kleinen:und kleinsten Baustahlproduzenten in Oberitalien. Dank höherer Produktivität als die Großen haben diese Mini-Stahlwerke in den letzten Jahren drei Viertel des gesamten Betonstahlmarktes in Europa erobert. Sie sind billiger als alle anderen und verdienen sogar noch gut dabei, im Gegensatz zu den staatlichen Stahl-Kombinaten Italiens, die nur unter Hinnahme riesiger Verluste mit Niedrigpreisen am Markt operieren können.

Zum Verdruß dergroßen Konkurrenten kümmert es die Bresciani auch herzlich wenig, was die Brüsseler Kommission Ende 1977 zum Wohle der Stahlindustrie verordnete: Mindest-und Orientierungspreise auf dem europäischen Markt. Und weil die wiederholten Ermahnungen des EG-Industrie-Kommissars Davignon an die Adresse der italienischen StahlrMinis bisher nichts fruchteten, schlug jetzt die bedrängte deutsche Stahlindustrie in Brüssel Alarm und verlangte harte Sanktionen, um den "Marktstörern" endlich das Handwerk zu legen.

Andernfalls, so droht die Düsseldorfer Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie, bliebe den Deutschen – größte Stahlhersteller in der Gemeinschaft – nur folgende, Wahl: entweder den Preiswettbewerb mit den Bresciani aufzunehmen oder die Produktion der betroffenen Stahlsorten einzustellen – mit allen daraus resultierenden Folgen für die Beschäftigung.