Wir dürfen uns nichts vormachen: Präsident Carter, der die Europäer dazu brachte, in Kopenhagen über eine neue währungspolitische Ordnung in der Alten Welt nachzudenken, hat es auch in der Hand, das europäische Bewußtsein schon im Keim wieder zu ersticken. Der Weg zum europäischen Währungsverbund führt über stabilitätspolitische Steilstrecken. Viele Regierungschefs würden darum schon am Start kapitulieren, wenn die Nachricht einträfe, Carter habe den Dollar wieder stark gemacht.

Es sieht allerdings nicht so aus, als ob wir bald damit rechnen müßten. Der Dollar ist schwach, weil die Amerikaner zuviel Öl einführen und weil ihre Inflationsrate zu hoch ist. An diesen beiden Stellen müßte die Therapie ansetzen. Deshalb horchte Europas Finanzweit auf, als bekannt wurde, daß Carter der Inflation den Kampf ansagen wolle: Doch das Interesse erlahmte rasch, als das Programm enthüllt war. Er hat den Sonderbeauftragten für Handelsbeziehungen, Robert Strauss, zum Sonderberater für Inflation ernannt. Aber ein Feuerwehrhauptmann löscht noch keinen Brand. Neu war auch der Plan Carters, die Löhne der Regierungsangestellten in diesem Jahr nur um 5,5 Prozent steigen zu lassen, nicht um sieben wie 1977.

Der Rest des Antiinflationsprogramms waren alte Hüte: Er forderte Haushaltsdisziplin, freiwillige Lohn- und Preisdisziplin in der Privatwirtschaft, die die Gehälter einfrieren sollte, wie er es bei seinem Stab verordnet hat. Auch seine Absage an Lohn- und Preiskontrollen war nicht neu. Sie wird vielleicht, da sie ernstgenommen und als Freibrief für Preiserhöhungen ausgelegt wird, wie seinerzeit unter Nixon Kontrollen sogar erzwingen. Kluge Beobachter haben aus der Anlage der Rede geschlossen, daß die Geldwertstabilität im Denken des Präsidenten nicht den Platz einnimmt, den sie verdient. Vor ihr rangiert die Arbeitslosigkeit.

Carters Vorschläge für ein Energiegesetz sind in den Maschen des Kongresses hängengeblieben. Zwei Vorschläge des Präsidenten haben noch keine Mehrheit gefunden: die Preiserhöhung für Erdgas und die Besteuerung einheimischen Ob. Für den Erdgaspreis bahnt sich eine Lösung an. Wenn der Senat der Besteuerung einheimischen Ob nicht zustimmt, hat der Präsident das Recht, importiertes Rohöl mit einer Abgabe zu belegen. Da der inländische Ölpreis aus den Preisen für einheimisches und importiertes Rohöl errechnet wird, hätte eine solche Abgabe die gleiche Sparwirkung. Doch der Präsident weicht jedem Konflikt aus. Er kündigt die Abgabe immer wieder, an, wagt aber nicht, sie einzuführen.

Auch Finanzminister Blumenthal ist im Ankündigen groß. Bisher haben die Amerikaner das Loch in ihrer Zahlungsbilanz stets mit ihrer eigenen Währung gestopft, anders als die übrigen Länder, die für den gleichen Zweck Devisen verwenden müssen. Nun sagte Blumenthal, er könnte mit einem Teil des amerikanischen Währungsgoldes Mark kaufen, die er dann zur Stützung des Dollar, also zum Ausgleich der Zahlungsbilanz, einsetzen könnte.

Der Gedanke ist bestechend. Erst bei näherem Hinsehen erkennt man, wie gering der Erfolg einer solchen Aktion wäre. Für Stützungskäufe brauchen die Amerikaner harte Devisen, von denen sie rund zehn Milliarden Dollar haben. Daneben besitzen sie Gold im Werte von rund 13 Milliarden Dollar.

Würden sie ihr gesamtes Gold, auf einmal verkaufen, besäßen sie mit einem Schlage Devisen im Werte von 23 Milliarden Dollar oder 46 Milliarden Mark. Die Bundesbank allein hat seit Oktober 1977 rund 17 Milliarden Mark eingesetzt, um den Schwächeanfall des Dollar in Grenzen zu halten. Die Amerikaner könnten also theoretisch eineinhalb Jahre lang im gleichen Umfang ihren Dollar stützen, wie es die Bundesbank im letzten halben Jahr getan hat.