ARD, Sonntag, 16. April: "Goldener Sonntag" von Peter Maiwald und Gerd Wollschon

Eine Pause zwischen Sendung und Sendung, ein Hinweis auf die Fernsehlotterie (in der Form eines Standbildes) oder das Gütezeichen einer Rundfunkanstalt, mal von Künstlerhand, mal frei nach der Natur, weidende Pferde und zwitschernde Vögel: das kostet Zuschauer. Wenn nichts passiert, dann schalten die Betrachter um, und zwar in Scharen: Zigtausend, behaupten Kenner, drücken auf den Knopf, sobald ein Standbild sich als renitent erweist – kein Wunder also, daß in den Funkhäusern gemunkelt wird, sehr lange Pausen würden bisweilen vor unbequemen Sendungen als Abschreckungsmittel verwendet – als eine Art von raffinierter Beeinflussung, an der Grenze zwischen Distanzierung und Zensur. Wenn das so sein sollte, dann muß die elfte Folge des "Goldenen Sonntag" für die Sekundenzähler vom Dienst ein besonders mißliebiges Viertelstündchen gewesen sein.

Aber das on dit, so hoffen wir, ist trügerisch, die lang-lange Pause mag Zufall gewesen sein; denn was danach kam, ein Sonntagmorgendisput im Kreis einer bürgerlich-liberalen Familie, bitter und beiläufig zugleich ... was danach kam und sich als Musterbeispiel von pointenreicher Belehrung erwies, das verdiente ein Maximum an Unterstützung, da schaut her, und kein schleppend-abschreckendes Vorspiel.

Wenn die alte Kunstdevise "belehre, aber mach’s amüsant; amüsiere und vergiß die Moral nicht" konsequent beachtet wird (so weit, daß sie zum Grundprinzip von Text und Inszenierung wird), dann im "Goldenen Sonntag": Was wurde da alles aufgetürmt, an Problemen, in einer einzigen Sendung: die Angst vor der Polizei, aber auch die Angst der Polizei selbst; die Herrschaft des Vorurteils (wer in einer Wohngemeinschaft lebt, geht den ersten Schritt zum Terrorismus hin); der Generationenkonflikt und der Konflikt innerhalb der Generationen, die Emanzipation der Frau vom Mann und die Befreiung des Mannes von sich selbst und von den von ihm entworfenen Mustern... und alles das ganz leicht und komödiantisch gespielt, mit vielen Kabinettstücken von Hanns Dieter Hüsch, mit geflüsterten, verschluckten, herausgestammelten Maximen und mit gebrüllten Banalitäten.

Immer gegen den Strich gebürstet, immer auf Umschwünge, Gegenläufigkeiten, Brüche und Rollenvertauschungen hin inszeniert; an der Oberfläche Spaß und Verspieltheit, wenn’s ums Paniermehl und Eierlikör geht ("Ist doch immer wieder was Leckeres"), um sich überstürzende Gags ("Habt ihr Reis?" "Ja." "Tomaten?" "Ja." "Wasser?" "Etwas"), um clowneske Muster (ständig klingelt jemand an der Tür) und Situationswitz ("Ich heiße Roman Polanski und habe Ihre dreizehnjährige Tochter verführt") – und dahinter dann, immer hindurchscheinend, der bittere Ernst: das Phänomen "Terrorismus" – ein Gottesgeschenk für die auf Freund-Feind-Bilder eingeschworenen Rechtgläubigen, um mit den verhaßten, im Rahmen der großen Treibjagd endlich preisgegebenen "anderen" kurzen Prozeß zumachen.

Ein Lehrstück über die Toleranz, das wie ein Clown daherkam: tieftraurig und lustig zugleich. Dialektik, am Sonntagmorgen im Fernsehen.

Momos