Von Heinz Michaels

Die Gemütsverfassung des Felix – und das heißt ja "der Glückliche" – Kracht entspricht gegenwärtig nicht immer seinem Vornamen, obwohl ein Topmanager der Airbus-Industrie eigentlich allen Grund hätte, glücklich zu sein. Aber Felix Kracht ist zuständig für die Produktion.

Vor einem Jahr, auf dem Pariser Luftfahrtsalon, sagte Produktionsmanager Kracht beiläufig, was nun, wenige Tage vor dem internationalen Treffen auf der Luftfahrtschau in Hannover, Realität geworden ist: "Wenn alles so läuft, wie wir hoffen, dann werde ich in einem Jahr soviel Sorgen haben, wie heute Dan Kroog hat."

Im Frühjahr 1977 sah es nicht rosig aus für Airbus Industrie. Obwohl die Fluggesellschaften in aller Welt einen Nachholbedarf an neuen Flugzeugen haben, nachdem es für den Luftverkehr wieder Aufwind gibt, konnte Dan Kroog, der Verkaufschef des deutsch-französisch-spanischen Unternehmens, kaum Aufträge buchen.

Ein hoffnungsvoll gestarteter Versuch, auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen, war zum Jahresanfang gescheitert. In letzter Minute hatten die im sonnigen Kalifornien beheimateten Western Airlines sich entschlossen, neue Flugzeuge doch wieder bei amerikanischen Flugzeugherstellern zu kaufen – obwohl es acht Millionen Dollar mehr kostete.

Die Folge war, daß die auf zwei Flugzeuge pro Monat geplante Produktion auf ein Flugzeug gedrosselt wurde. In Hamburg-Finkenwerder, wo Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) Airbussegmente baut, mußte kurzgearbeitet werden. Sechs Flugzeuge standen unverkauft "auf Halde". Das Blatt wendete sich im Herbst. Dan Kroog konnte die Auftragsbücher füllen, zuletzt mit dem spektakulären Verkauf von 19 Airbussen an Eastern Airlines (siehe Seite 19: Die Tricks des Mannes aus dem Weltraum). Und nun muß Felix Kracht ran, damit die Luftfahrtgesellschaften die Flugzeuge zu den vereinbarten Terminen bekommen.

Noch vor Jahresende erging die Order aus Toulouse, dem Hauptquartier der Airbus Industrie, an die beteiligten Firmen in sechs Ländern, die Produktion wieder hochzufahren, auf zwei Flugzeuge pro Monat bis zum Herbst dieses Jahres und auf drei bis zum Frühjahr 1979. Denn Felix Kracht konnte sich ausrechnen, was auf ihn zukam.