Von Wilhelm Busch stammt der Satz: "Ehre dem Photographen, denn er kann nichts dafür". – Gemeint war mehr die Tücke des unhandlichen Apparates und langer Belichtungszeiten als der Bildinhalt. Wilhelm Busch war einer von vielen Künstlern, die Photographen und photomechanisch erzeugte Bilder mit Mißtrauen und aus der ironischen Distanz betrachteten. Sie fühlten selbst und mit den Malern, daß ihnen da etwas weggenommen wurde, nämlich die Porträtaufträge. Also nahm die Karikatur aufs Korn, was besonders auffiel: die großen? klobigen – Aufnahmegerüste und die Mißgeschicke beim Gebrauch der-, Photographie. Daß dies zuerst und besonders stark in Frankreich von der Satire bis zum Schmunzelblatt geriet, verwundert weiter nicht, wurde doch in Frankreich die Photographie erfunden und fand in Paris ihr erstes Mekka. Heute sieht sich alles anders an, aber Karikaturen könnte man ebenso zeichnen, besser: photographieren – denn die millionenfach mit dem lederbeutelgeschützten Aufnahmeapparat stolzierende und hantierende Menschheit wirkt nicht weniger komisch als der Anblick des Pioniers der Linse von 1840. Aber: Auch heute noch wirken Schmerz und Scherz wie vor hundert Jahren, wenn die Auswahl so gekonnt besorgt wurde wie in diesem Buch von Rolf H. Krauss: "Die Fotografie in der Karikatur" (Heering Verlag, Seebruck, 1978; 98 S., 29,80 DM). Einundachtzig Beispiele (der Großteil französisch, einige deusche, wenige englisdie), die alle mit präzisen und einleuchtenden Bildunterschriften versehen sind, machen dieses Buch zu einem Vergnügen mit der Chance, sich zu belehren. Norbert Denkel