Von Jes Rau

Obwohl. inzwischen fünfzig Jahre alt geworden, hat Frank Borman noch immer das Gesicht eines frischgewaschenen Pfadfinders, der allzeit bereit ist für eine gute Tat. Und das ist im puritanisch geprägten Amerika ein nicht zu unterschätzender Aktivposten. Was lag da näher, als sein Gesicht zu vermarkten?

Genau das hat der frühere Luftwaffenoberst und Astronaut gemacht. Seit zwei Jahren schaut er den Amerikanern aus allen Medien entgegen. Sein Gesicht ist praktisch zum Markenzeichen der viertgrößten amerikanischen Fluggesellschaft Eastern Airlines geworden.

Im Fernsehen sieht man ihn zwar nicht mehr im Weltraum schweben. Dafür hilft er "Eastern"-Fluggästen bei der Gepäckaufgabe, prüft an Bord, ob der servierte Kaffee auch heiß ist, und fordert die Fernsehzuschauer auf, Mickey Mouse und Donald Duck in Disneyland (Florida) zu besuchen, mit Hilfe von "Eastern" natürlich.

Aber nicht nur Sinn für Publicity, sondern auch Glück und Verstand hat Borman an den Tag gelegt, seit er Ende 1976 zum Boß der Eastern aufstieg. Denn Eastern Airlines ist immer noch nicht bankrott. Und das allein ist schon ein schöner Erfolg. Vor kurzer Zeit gaben die meisten Marktbeobachter dem Luftfahrtunternehmen nur noch eine begrenzte Lebensdauer.

Wie alle Fluggesellschaften litt Eastern seit 1974 unter den Auswirkungen der Rezession und der sprunghaft gestiegenen Treibstoffpreise. Darüber hinaus war Eastern aber von einigen zusätzlichen Problemen geplagt, deren Lösung Borman methodisch in Angriff nahm: Er bereinigte das Flugnetz; feuerte zweitausend überflüssige Beschäftigte, darunter eine Reihe hochbezahlter Manager; nachdem er Eastern Chairman Floyd Hall den Rang des chief officer abgenommen hatte, konnte er verfügen, daß die Gesellschaft nicht mehr länger als zweiköpfiges Monster mit Hauptquartieren in Miami und New York operierte, sondern sich fürs sonnige Floridaentschied.

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