Von Hermann Bößenecker

Nicht mehr "die Bocksprünge eines überschäumenden Jünglings", sondern "das überlegte, verantwortliche Handeln eines jungen Mannes" bestimmen heute die Produktionspolitik des größten Computer-Herstellers der Welt. Auf diesen Nenner bringt Walther A. Bösenberg, Chef der Deutschen IBM, die Marktstrategie des multinationalen Konzerns.

Jene Zeit der Bocksprünge, die sich der Branchenführer IBM früher leisten konnte und die auch bezeichnend waren für den hektischen Fortschritt der noch jungen Computer-Technik, ist längst vorbei. Bösenberg erzählt da nichts Neues, antwortet wohl eher auf die seit einigen Jahren gelegentlich vorgebrachte Kritik, die IBM-Modelle entsprächen nicht immer dem neuesten Stand der Technik.

Überdies hat der Konzern kein Interesse daran, durch immer neue Modelle die Kunden zu verunsichern und den Wert der vermieteten Anlagen immer wieder zu mindern.

Diese Politik muß wohl neu durchdacht werden, Allzulange hat IBM allein bestimmen können, wann laufende Modelle ersetzt wurden. Nun aber wird der Koloß von einer Welle von Neuerungen mittlerer und kleinerer Firmen umspült. IBM kann nicht mehr, wie früher, weitgehend ohne Blick auf die Konkurrenz agieren.

Ist der Konzern sogar gezwungen, wieder einen Sprung zu machen, technologische Avantgarde am Markt unter Beweis zu stellen? Darüber zerbrechen sich Computer-Experten auf der ganzen Welt heute den Kopf. Sie wissen, daß in absehbarer Zeit das heute sieben Jahre alte, überaus erfolgreiche IBM-System 370 durch Nachfolge-Modelle ersetzt werden soll, daß dann der Kampf um neue Milliardenaufträge in aller Heftigkeit entbrennen wird.

IBM schweigt noch. Nur vereinzelt werden, so weiß die Münchner Computerwoche, den Geschäftspartnern unter der Hand erste Details über die künftigen EDV-Anlagen gesteckt, die das Blatt vermuten lassen: "Jetzt sollen zum Preis der bisherigen Mittelklasse-Rechner Nachfolge-Maschinen kommen, die die vierfache Rechnerleistung in Schreibtischformat-Größe bieten werden."