Niemand soll sagen, Schleswig-Holsteins Kultusminister Braun kümmert sich nur um die Hochschulen seines Landes und nicht um die Ausbildungschancen für junge Mädchen. Er kümmert sich. Seine Idee ist nicht neu. Schon andere Köpfe haben diesen Gedanken ausgebrütet, um so der Jugendarbeitslosigkeit beizukommen. Keine. Frauenköpfe – Männerköpfe.

Kurz und gut, ab August 1978 werden in Berufsfachschulen des nördlichsten Bundeslandes zusätzliche Ausbildungsplätze zur Hauswirtschafterin angeboten; Wie die Berufsbezeichnung schon sagt, bleibt diese Chance ausschließlich Mädchen vorbehalten. Früher hieß das "staatlich geprüfte Hauswirtschaftsgehilfin". Innerhalb der Ausbildung hat sich nicht viel ändern können. Aber die "Gehilfin" wurde wegretuschiert. Es macht sich besser.

Im Kultusministerium geht man davon aus, "daß eine hauswirtschaftliche Berufsausbildung zu jenen beruflichen Qualifikationen zählt, die ihren Wert ein Leben lang behalten. Auch wenn die Frau sich später anderen beruflichen Tätigkeiten zuwendet, ist sie auf die mehrfachen Aufgaben, die viele Frauen heute haben, nämlich als Hausfrau, Mutter und im Beruf, gut vorbereitet".

Doch halt. Warum soll sie sich später einmal anderen beruflichen Tätigkeiten zuwenden, da sie doch den qualifizierten Beruf der Hauswirtschafterin gelernt hat? Und welcher anderen Tätigkeit? Soll sie etwa als Aushilfe im Winterschlußverkauf einspringen? Soll sie in einer Textilfabrik gehen oder in einem Schreibsaal ihr Dasein fristen, wo sie doch das schöne Zertifikat in der Tasche hat, staatlich geprüfte Hauswirtschafterin zu sein?

Nein, das wird sie wohl nicht tun, und genau das ist ja der Knalleffekt an diesem Genieblitz. Ist sie als junges Mädchen auf diese Weise aus der traurigen Schar der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz Verschwunden, wird sie sich als Erwachsene nicht mehr in die Reihe der Arbeitslosen stellen. Sie wird daheim bleiben, an ihrem Arbeitsplatz, denn sie hat ja etwas fürs Leben gelernt, für das Leben ihres Gatten und ihrer Kinder und für das Überleben dieser Gesellschaft. Sie ist nicht zu ersetzen, weil offenbar niemand sie an ihrem Arbeitsplatz ersetzen will. An ihrem Küchenstuhl sägt kein Kollege. Es ist kaum zu fassen. Ungehindert darf sie aufsteigen, und sie hat einen Beruf mit Aufstiegschancen.

Nach der Erstausbildung – die dauert zwei Jahre, Voraussetzung ist der Hauptschulabschluß – kann die Hauswirtschafterin eine Fachschule für Wirtschafterinnen besuchen. Womit ihre Karriere noch längst nicht beendet ist. Hat sie ein bis drei Jahre Berufserfahrung, kann die Hauswirtschafterin eine Meisterprüfung in Hauswirtschaft ablegen. Ihr Mann und die Kinder sollten sie nun mit "Meisterin" anreden, Weil doch jeder Mensch eine kleine Anerkennung braucht, macht sich die Beförderung schon dicht auf dem Gehaltsstreifen bemerkbar. Auf dem Gipfel ihrer Laufbahn aber steht sie erst dann, wenn sie an ihre Küchentür "Hauswirtschaftsleiterin" schreiben kann. Allerdings ist dazu ein Realschulabschluß nötig oder ein gleich-Wertiger Abschluß.

Nun, das läßt sich, hören. Gleichwohl hat die Opposition im Kieler Landtag an diesem Braun-Modell natürlich etwas auszusetzen. Der CDU gehe es nicht um die berufliche Qualifikation von Mädchen, sondern darum, sie an Heim und Herd zu fixieren. Die CDU gestehe Frauen eine berufliche Verwirklichung und materielle Unabhängigkeit nicht zu, mäkeln die SPD-Landtagsabgeordneten Gisela Böhrk und Hans Gerd Ramler. "Warum", so fragt Sozialdemokratin Böhrk, "werden nicht auch Jungen diese Ausbildungsplätze angeboten, wenn diese zu einer beruflichen Qualifikation führen, die einen Wert für’s Leben hat." Ja, warum wohl? Ebenso gut könnte man fragen, warum Kultusminister Braun nicht Hauswirtschafter geworden ist. Da hätte er was fürs Leben gelernt. Aber nein. Keine Ironie. Diesmal sollen nämlich ausschließlich Mädchen gefördert werden. Seit Generationen seien die Frauen benachteiligt, heißt es. Das wird jetzt anders. Wenigstens in Schleswig-Holstein. Da müssen nun auch einmal die Jungen zurückstecken und Setzer oder so etwas werden, was eben nicht fürs Leben ist.

Viola Roggenkamp