Sehenswert

"Kreutzer" von Klaus Emmerich, der erste Kinofilm dieses Theater- und Fernsehregisseurs ("Rosa und Lin", "Erziehung durch Dienstmädchen"). Andreas Kreutzer, Mitte dreißig, Hauptmann bei der Bundeswehr, setzt sich von der Truppe ab. An der deutsch-dänischen Grenze fangen ihn zwei Feldjäger ein, doch das wirkliche Abenteuer beginnt erst auf der Rückfahrt im Zug nach München. Unversehens sieht sich Kreutzer in eine blutige Bankraubaffäre verwickelt, wird – erst widerwillig, dann zunehmend fasziniert – zum Komplizen eines schweigsamen Profis bei einer langwierigen Fluchtbewegung durch Wälder, verlassene Fabriken und schäbige Absteigen. Im ersten Teil montiert Emmerich rasant und spannungsreich zwei Parallelhandlungen gegeneinander: Kreutzers Desertion und die minuziöse Planung und Durchführung eines Banküberfalls. Mit einer Präzision und Konsequenz, die an manche der amerikanischen Filme von Fritz Lang erinnern, laufen die beiden Handlungen aufeinander zu, verbinden sich zu einer abgründigen Gewalt-Phantasie. Die heimlichen Träume eines Bürgers nehmen plastische Gestalt an, wie Edward G. Robinson in "Woman in the Window" erlebt Kreutzer schaudernd das Unerhörte, vor dessen Folgen ihn am Ende nur eine gnädige Dramaturgie bewahrt. Den inszenatorischen Glanzstücken der ersten sechzig Minuten (Höhepunkt: eine Schußfahrt in einer Bergwerkslore) folgt die stille Beschreibung einer komplizierten Beziehung zwischen zwei Männern. Emmerich wechselt das Tempo etwas zu abrupt, fast glaubt man, in einen anderen, allerdings auch sehr schönen Film geraten zu sein. Eine Entdeckung: Axel Wagner als souveräner Gangster, ein Typ wie Lino Ventura. Hans C. Blumenberg

"Mad Dog" von Philippe Mora. Der "verrückte Hund" heißt Daniel Morgan. Tausend Pfund sind auf den Kopf des australischen Buschräubers ausgesetzt, der um 1860 die Territorien von Victoria und New South Wales unsicher macht. "Weil wir noch so viele Straßen bauen müssen", verhängt ein Richter für einen kleinen Raub ein jahrelanges Zwangsarbeitsurteil über Morgan. Der, eine verbürgte Figur der australischen Historie, die mehr outlaws aufzuweisen hat als die amerikanische, rächt sich nach seiner Entlassung verstört-blindwütig an der Gesellschaft. In dieser Außenseiterrolle fühlt sich der mittlerweile zum Kultstar avancierte Dennis Hopper sichtlich ebenso wohl wie schon sieben Jahre vor ihm Mick Jagger als "Kelly, der Bandit" (Tony Richardson, 1969). Regisseur Mora orientiert seinen Film am klassischen Muster romantischblutrünstiger Räuber-Moritaten: edel, einsam und verwegen die Räuber (neben Hopper der australische Ureinwohner David Gulpilil, der auch die Originalmusik zum Film schrieb), satt und grausam verschlagen die bürgerlichen Autoritäten, für die die Kriminellen "Halbaffen" sind, keiner menschlichen Anteilnahme würdig. Kameramann Mike Molloy liefert, den beeindruckenden Hintergrund der australischen Landschaft. Bodo Fründt

Mittelmäßig

"Atemlos vor Angst" von William Friedkin ist ein mit enormem Budget (21 Millionen Dollar) gedrehtes Remake von Henri-Georges Clouzots berühmtem Thriller "Lohn der Angst" (1953): das Himmelfahrtskommando vier gescheiterter Existenzen irgendwo in Südamerika, die zwei altersschwache Laster voll hochexplosiven Nitroglyzerins über holprige Straßen und durch unwegsamen Dschungel steuern, um damit eine in Brand geratene Ölquelle zu ersticken – und um mit der ausgesetzten Prämie vielleicht diesem Gefängnis ohne Wände entfliehen zu können. Clouzots Klassiker bezog seine Faszination nicht nur aus dem Thrill der Action, war eine existentielle Parabel mit politischen Akzenten, düster, pessimistisch, fast schon zynisch in ihrer "schwarzen" Ausweglosigkeit. Anders als Clouzot drehte Friedkin an den Originalschauplätzen, erklärt in einer ausführlichen Exposition die Schicksale seiner Protagonisten (Roy Scheider, Bruno Cremer, Amidou, Francisco Rabal). Sie bleiben dennoch blasse Abziehfiguren. Friedkin ("French Connection", "Der Exorzist") ist ein virtuoser Regietechniker. Brillant sind auch manche Action-Szenen: isolierte Bravourstücke eines fast schon fanatisch um Authentizität bemühten Hyper-Realismus, der jedoch nicht annähernd die Spannung des Originals erreicht.

Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

"Das andere Lächeln" von Robert Van Ackeren. "Flammende Herzen" von Walter Bockmayer und Rolf Bührmann. "Deutschland im Herbst" von Fassbinder, Kluge, Schlöndorff und anderen. "Die gläserne Zelle" von Hans W. Geissendörfer. "Die Verachtung" von Jean-Luc Godard. "Harry und Tonto" von Paul Mazursky. "Die allseitig reduzierte Persönlichkeit" von Heike Sander. "Unheimliche Begegnung der dritten Art" von Steven Spielberg.