Von Heidi Dürr

Seit die Klagen über die Konzentration im Verlagswesen, über den angeblich vernichtenden Einfluß der Verlagsgiganten auf dem Buchmarkt immer lauter werden, ist auch die Forderung nach direkten Subventionen für die Literatur und die kleinen Buchverlage immer häufiger erhoben worden.

Bei den Freien Demokraten fanden die Befürworter solcher Hilfen offene Ohren. Die Liberalen schlossen sich der Meinung an, daß – so Hamburgs FDP-Kultussenator Professor Dieter Biallas – der "Markt als Existenz- und Verteilungsmodell nicht mehr ausreicht". Er fürchtet, daß "vieles verlorengeht, was publikationswürdig wäre". Der "Bundesfachausschuß Kultur" der FDP legte deshalb Ende vergangenen Jahres ein Modell für die Förderung schöngeistiger Literatur aus Steuermitteln vor.

Der Plan sieht vor, daß Verlage einer Jury Manuskripte zur Prüfung vorlegen, die ihrer Meinung nach veröffentlicht werden sollten, die sie aber – wegen geringer Absatzerwartung – nur zu prohibitiven Preisen auf den Markt bringen könnten. Teilt die Jury das positive Urteil, soll der Verlag einen Zuschuß bekommen, der sowohl zur Subvention des Marktpreises als auch zur Unterstützung einer ausreichenden Werbung dienen soll. Denn es sollen keine Bücher produziert werden, die "in den Regalen verstauben". Nach Verkauf der vereinbarten Deckungsauflage muß der Verlag den Zuschuß anteilmäßig zurückzahlen.

Die Literatur-Förderung, für die nach Meinung von Dieter Biallas nicht mehr als eine Million Mark pro Jahr nötig wäre, soll aus Mitteln des Bundes und der Länder finanziert werden. Um den schwierigen föderativen Entscheidungsprozeß in Gang zu bringen, wird das Bundesinnenministerium bereits im nächsten Jahr einen Etat zur Verfügung stellen. Hamburg startet schon 1978 mit 60 000 Mark einen "Probelauf" des FDP-Modells.

Viele Einzelheiten freilich sind bislang noch nicht geklärt. Offen ist beispielsweise die Deckungsauflage der zu fördernden Titel. Die Rede war bisher von einer Größenordnung zwischen acht- oder gar zehntausend Exemplaren. Das allerdings sind Auflagen, die nicht aus öffentlichen Mitteln finanziert werden müssen. Förderungsbedürftig sind höchstens Titel, von denen bei normaler Kalkulation maximal tausend bis dreitausend Stück verkauft werden könnten. Wenn die Liberalen sich nicht dem Vorwurf aussetzen wollen, öffentlich finanziertes Wasser auf ohnehin rentable private Mühlen zu schütten, müssen sie sich noch einmal genau über die gegenwärtigen Marktbedingungen informieren.

Sollte das FDP-Modell verwirklicht werden, würde es zwischen Flensburg und München erstmals in der Bundesrepublik eine einheitliche Literaturförderung aus Steuergeldern geben. Freilich wäre sie nur ein weiterer Knoten in einem seit langem bestehenden Netz von Subventionen, das in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt ist, mit dem einige Verlage aber ganz gut zu fischen verstehen. Die Behauptung, daß es einige Unternehmen ohne Zuschüsse von Ministerien, Behörden oder Organisationen gar nicht mehr gäbe, läßt sich konkret nicht beweisen. Branchenkenner halten sie jedoch für wahrscheinlich. Ob es um diese Unternehmen schade wäre, ist eine andere Frage.