Professor Friedrich Halstenberg, der wegen der Entlassung des Vorstandsvorsitzenden der Westdeutschen Landesbank (West LB), Ludwig Poullain, von seinem Posten als Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen zurückgetreten war, hat seinem Herzen verspätet Luft gemacht. Im Rückblick auf. seine frühere Rolle als Mitglied des Verwaltungsrats der West LB, die je zu einem Drittel dem Land, den Sparkassen und den Landschaftsverbänden gehört, bezichtigte er ehemalige Kollegen der Landesregierung der Geschwätzigkeit.

Hätte er doch geschwiegen, öffentliche Aussagen dieser Art sind wenig hilfreich, weder für die Bank, die durch die Trennung von Poullain bisher keine Nachteile erlitten hat, noch für die übrigen Landesbanken. Jetzt wird die Debatte über die Frage, ob Minister öffentliche Banken in Verwaltungsräten kontrollieren können, neu aufbrechen.

Gewiß, Halstenberg ist nicht mehr Minister. Aber er verhält sich noch so, als ob er einer wäre. Vielleicht muß für die Behandlung öffentlicher Banken in den Parlamenten wie für die Geheimdienste eine Art Vertrauensmännergremium eingerichtet werden. Auch entlassene Minister müßten den strengen Regeln der Vertraulichkeit unterworfen werden. Sonst werden öffentliche Banken durch die Geschwätzigkeit ihrer Kontrolleure immer im Nachteil sein. R. H.