Das Nahost-Rad hat neuen Schwung bekommen: US-Außenminister Vance machte Zwischenstation in Kairo. Ägyptens Staatschef Sadat schrieb Carter einen Brief. In Jerusalem kündigte Außenminister Dajan Verhandlungen mit Jordanien über einen israelischen Rückzug an.

Fast will es scheinen, als breche bei der quälenden, seit Monaten unterbrochenen Friedenssuche im Nahen Osten der Frühling aus. Einzig im Südlibanon geht die Normalisierung seit der Besetzung durch israelische Truppen vor über einem Monat schleppend voran: Von den 2000 Quadratkilometern südlich des Litaniflusses haben die Israelis bis jetzt nur 24 Quadratkilometer geräumt. Von den vorgesehenen 4000 UN-Soldaten, die dort für Ruhe und Ordnung sorgen, vor allem aber die Rückkehr bewaffneter Palästinenser verhindern sollen, sind erst knapp 3000 in das umstrittene Gebiet eingerückt.

UN-Generalsekretär Kurt Waldheim bemühte sich in Jerusalem um einen beschleunigten Abzug der Israelis, in Beirut um bindende Zusagen der Palästinenser, im Südlibanon Frieden zu halten – mit welchem Erfolg ist höchst zweifelhaft.

Klarer dagegen sind die Chancen für die Vermittlungsversuche der Amerikaner und Israelis, um die blockierten Sinai-Verhandlungen zwischen Kairo und Jerusalem wieder voranzubringen. Die Arbeiten an einer israelisch-ägyptischen Grundsatzerklärung über die Bedingungen eines Gesamtfriedens sind in vollem Gange. Wie es heißt, stehen sie bereits kurz vor dem Abschluß.

Dazu gehört auch, daß Dajan – im Gegensatz zu seinem Regierungschef Begin – ausdrücklich für Rückzugsverhandlun-

gen über Westjordanien eingetreten ist. Im klaren Widerspruch zu Begins Washingtoner Interpretation der Sicherheitsratsresolution 242 sprach sein Außenminister von Abzugsbedingungen an allen drei Fronten, die von Begin beanspruchten Gebiete Judäa und Samaria eingeschlossen. Die kompromißlose Haltung des Ministerpräsidenten in dieser Frage hatte zu Spannungen mit US-Präsident Carter geführt.

Was Außenminister Vance den Ägyptern anbieten konnte und was Staatschef Sadat den Amerikanern vorgeschlagen hat, war zum Wochenbeginn noch unbekannt. Vermutlich ging es um Formulierungen in der Grundsatzerklärung. Zu diesem Zweck wird auch der amerikanische Nahost-Unterhändler wieder seine Pendeldiplomatie aufnehmen.

Voraussichtlich im Mai, wenn nacheinander Begin und Sadat in Washington gewesen sind, werden die ägyptisch-israelischen Schlußverhandlungen über den Sinai beginnen. Dann sollen sich auch die letzten israelischen Truppen aus dem Südlibanon zurückgezogen haben. D. St.