Beim Otto-Versand nimmt ein sprechender Computer Kundenbestellungen entgegen

Von Gunhild Freese

Wer sich in Saarbrücken zufällig am Telephon verwählt, dem kann es passieren, daß sich ein recht seltsamer Gesprächspartner meldet. Da sagt eine Stimme, die ihm vielleicht sehr bekannt vorkommt: "Guten Tag. Hier ist die Computer-Bestellannahme des Otto-Versands in Saarbrücken. Bitte geben Sie Ihre Kontonummer ein."

Wartet der überraschte Anrufer noch gut dreißig Sekunden, ehe er auflegt, so hört er die Stimme weitersagen: "Bitte geben Sie weitere Informationen ein oder betätigen Sie die Gittertaste." Und nach weiteren zehn Sekunden: "Wir müssen das Gespräch abbrechen. Ihre bestätigten Artikel sind angenommen. Die Kundenbetreuung hilft Ihnen weiter. Bitte rufen Sie Saarbrücken 59 56 an. Auf Wiederhören." Und es ertönt das Besetztzeichen.

Der Anrufer hatte Sarby am Apparat, wie der sprechende Computer des Hamburger Otto-Versands innerhalb des Hauses genannt wird. Und die Stimme, die ihm so vertraut erschien, war die des Hamburger Fernsehnachrichtensprechers Werner Veigel. Seit dem 8. Dezember letzten Jahres führt das Hamburger Versandhaus im Saarland einen Großversuch durch, der in Europa bislang einmalig und selbst im Heimatland der Computer, den USA, noch eine Rarität ist: Die Bestellung direkt bei einem sprechenden Computer.

Freilich, VRU 400, wie Sarby korrekt heißt, spricht nicht mit jedem. Die Voraussetzung dafür, daß der Dialog nach den einleitenden Sätzen fortgesetzt werden kann, ist zunächst einmal, Kunde des Otto-Versandes im Saarland zu sein. Und ohne technisches Gerät – als Zusatz zum Telephon – geht es auch nicht. Der Otto-Kunde braucht, um direkt per Telephon bestellen zu können, ein kleines Gerät, das ähnlich wie ein Taschenrechner Tasten mit den zehn Ziffern null bis neun sowie zwei Funktionstasten besitzt. Die daran angeschlossene Aufsteckkapsel muß auf die Sprechmuschel des Telephons gesteckt werden. Die Kapsel enthält zudem einen Lautsprecher, so daß der Kunde nicht den Hörer in der Hand zu halten braucht, sondern im Katalog blättern oder etwas aufschreiben kann. Beides könnte notwendig werden, denn Sarby ist ein überaus. verständiger Gesprächspartner, auch wenn er selber die menschliche Sprache noch nicht verstehen kann, sondern auf die Zahleneingabe über das Tasttongerät angewiesen ist.

Sarby fragt – der Kunde antwortet