DIE ZEIT

Bonn ohne Vorfreude

Die Stimmung ist merkwürdig verschieden. Die sowjetischen Herolde der Breschnjew-Visite in Bonn äußern schöne Hoffnungen und bedeutende Erwartungen.

Geprüftes Italien

Nur in Diktaturen verkörpert ein einziger Mann das System – und nicht einmal – dort steht und fällt es mit ihm. Solche Erkenntnis hat kühldenkenden Tyrannen-Mördern oft den Arm gelähmt, aber sie hat die Verfechter politischer Wahnideen nie daran gehindert, ihre Feindbilder auch dann auf einzelne Menschen zu projizieren, wenn diese mit dem Willen der Mehrheit, ja im Einvernehmen mit legalen Gegnern ihre Führungsfunktionen ausüben.

Jimmy Carter setzt sich durch

Jimmy Carter hat Mitte dieser Woche seinen ersten großen Sieg in der Außenpolitik errungen. Die Zustimmung des Senates zum: letzten der beiden Verträge, die bis zum Jahr 2000 die Übergabe des Panama-Kanals aus amerikanischen in panamesische Hände regelt, läßt den bislang so glücklosen Präsidenten auf einmal in besserem Licht erscheinen.

Die fünf Todsünden der Schulpolitik

In Frankfurt sieht sich der CDU-Oberbürgermeister durch aufbegehrendes Volk in die bildungspolitische Defensive gedrängt: Die Leute wollen ihre Kitas (Kindertagesstätten) behalten.

Worte der Woche

"Das deutsch-amerikanische Verhältnis darf nicht weiter durch eine geradezu wilhelminische Überheblichkeit des Bundeskanzlers Schmidt in Äußerungen über den amerikanischen Präsidenten belastet werden.

Zeitspiegel

Seit 1891 können die Peruaner gegen Eintrittsgeld in der Kathedrale von Lima den Glassarg mit den mumifizierten Überresten Francisco Pizarros besichtigen, jenes conquistadors, der das Inkareich niederwarf und 1541 von dem Sohn eines Rivalen ermordet wurde.

Labour liegt im Aufwind

Vor sechs Monaten hätte selbst der kühnste Optimist in den Reihen der Labour Party nicht auf einen Erfolg bei den kommenden Unterhauswahlen gehofft.

Berlin, im April: Wie stark ist Honecker?

Seit vielen Monaten haben die DDRologen – seriöse und weniger seriöse – Hochkonjunktur. Daß es in der DDR gärt und rumort, ist längst offenkundig.

Carter hat nichts preisgegeben

ZEIT: Herr Bahr, Sie haben im vergangenen Herbst auf dem Hamburger SPD-Parteitag der SPD erklärt, daß Sie von Ihrem Urteil über die Neutronenwaffe nichts Wesentliches zurückzunehmen hätten.

Der Westen will Moskaus Macht neutralisieren

Im kühlen Norden, an der dänischen Küste, haben die Verteidigungsminister aus fünf Nato-Staaten Bilanz gezogen, die westliche Nuklear-Bewaffnung und das Kräfteverhältnis zur sowjetischen Gegenmacht überdacht.

Don Santiago in Bedrängnis

Spaniens KP-Chef Santiago Carrillo kann sich heute darüber ärgern, daß ihm vor kaum einem halben Jahr eine unvorsichtige Bemerkung entschlüpfte.

Pinochet gibt sich zivil

Vor wenigen Monaten stritten sie sich noch lautstark um drei kleine Inseln am Südzipfel Südamerikas und stimmten Kriegsgeschrei an, die argentinische Militärjunta in Buenos Aires und die Mannschaft des Generals Pinochet in Santiago de Chile.

DOKUMENTE ZUR ZEIT: Martin Hirsch: "In dubio pro reo"

"... Geist, Seele und Gewissen machen den Menschen aus. Was er zutiefst weiß, wessen er sich innerlich vergewissert hat, ist zwar einem Werturteil, niemals aber mit letzter Sicherheit einem Gerichtsurteil zugänglich (so auch Bundespräsident Scheel am 5.

Hektik in Nahost

Das Nahost-Rad hat neuen Schwung bekommen: US-Außenminister Vance machte Zwischenstation in Kairo. Ägyptens Staatschef Sadat schrieb Carter einen Brief.

Wende nach rechts?

Die PSD beschloß am Montag, ihren ehemaligen Parteivorsitzenden Francisco Sá Carneiro zum "vorläufigen" Führer zu bestellen.

Der Bund in Unterhosen

Ware der Abgeordnete Herbert Gruhl ein Sozialdemokrat, dann würden jetzt die politischen Kommentatoren in Bonn darüber meditieren, ob die SPD noch regierungsfähig sei.

Ein Demokrat

Der Zufall fügte es, daß am selben Tage, als sich in Hamburg die sozialdemokratischen Fraktionsvorsitzenden über die Auswirkungen des sogenannten Radikalen-Erlasses bekümmert zeigten, in Berlin jener Mann geehrt wurde, der im Auftrage des Parteirats mit unerbittlicher geistiger Strenge den Trennstrich zwischen Kommunismus und Sozialismus gezogen hat: Richard Löwenthal wurde siebzig.

Zu kurz gesprungen

Kongreß zur Verteidigung der Republik", Beethovensaal der Stadthalle, am vergangenen Wochenende in Hannover: Wissenschaftler und Publizisten – von Carola Stern und Günter Grass über Bernt Engelmann bis hin zu Eugen Kogon – hatten geladen, weil sie unseren Staat und unsere Gesellschaft in Gefahr sehen; weil sie Rückschritt, Illiberalität und Einschüchterung zu erkennen meinen, wo demokratisches Engagement die Zukunft gestalten sollte.

Ein Freund Deutschlands

Der Tod des amerikanischen Generals Lucius D. Clay hat in diesem Lande wehmütige Erinnerungen wachgerufen. Als "Vater der Luftbrücke", als "Retter Berlins" wird der einstige Militärgouverneur in ehrendem Gedächtnis bleiben.

Zivildienst als Schikane?

Von Spruch zu Spruch gewinnt das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe mehr Ahnlichkeit mit dem Weihnachtsmann. Bald hat es wirklich für jeden etwas.

Gefangene gegen Butter

Bisher wurde bei uns nur hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen: über den Freikauf von DDR-Häftlingen durch die Bundesrepublik.

Menschliche Explosion

Ohne Waffen ist keine Aktion eines Gemeinwesens nach außen, ist aber auch kein fester Bestand eines solchen an sich denkbar, Das Leben der Menschheit bewegt sich nun einmal in natürlichen Feindseligkeiten der Völker und Staatsgenossenschaften untereinander.

Wenn es Krieg gibt...

Neue Bücher über militärische Fragen und Militärpolitik in deutscher Sprache kommen zumeist aus zwei verschiedenen Richtungen: aus den anglo-amerikanischen Denkschulen der Strategie, Waffensystemforschung und Analyse der Streitkräftestrukturen oder aus deutschen Denkschulen der Konfliktforschung.

"Ein irrer Werbegag"

Feste sind immer so gut wie ihre Gäste. So dachte anfangs auch Neu-Ulms Oberbürgermeister Peter Biebl. Schließlich galt es, Hermann Köhl, den Flugpionier und großen Sohn der Stadt mit einer Gedenkveranstaltung "stilecht" zu ehren.

Anfällige Jugend

Sie trugen Gebetsmäntel und Transparente. Dort, wo vor der Nazizeit Münchens Hauptsynagoge stand, warnten jetzt 60 Vertreter jüdischer Jugend- und Studentenorganisationen aus der Bundesrepublik und Frankreich vor einem Trend, der schon einmal in die Katastrophe führte: der Verharmlosung rechtsradikaler Bestrebungen in Deutschland.

Rettet den Burgwald!

Auf die Barrikaden gehen Umweltschützer und am Schutz der Landschaft Interessierte, wenn die Rede auf die Planung der BAB A 4 (Autobahn Olpe–Bad Hersfeld) kommt.

Den Blinden ein Bein gestellt

Paul G. ist seit drei Jahren blind. Kurz nach dem 60. Geburtstag war er mit seinem Auto ins Schleudern geraten. Sicherheitsgurte hatte der routinierte Fahrer stets abgelehnt, er prallte mit voller Wucht gegen die Windschutzscheibe.

Zeitliches aus Kiel: Etwas für’s Leben

Niemand soll sagen, Schleswig-Holsteins Kultusminister Braun kümmert sich nur um die Hochschulen seines Landes und nicht um die Ausbildungschancen für junge Mädchen.

Ab in den Computer

Der 23jährige Student Dieter Klein (Name von der Redaktion geändert) traut seinen Augen nicht, als er beim Münchner Polizeirevier 7 wegen eines Bußgeldbescheides vorsprach.

Mehr Vernunft als erwartet

Die Schlacht ist geschlagen, der Pulverdampf hat sich verzogen. Auch wenn an einigen Stellen noch erbittert gekämpft wird, so läßt sich doch sagen: Die Lohnrunde 1978 ist gelaufen.

Die Angst nach dem Erfolg

Die Gemütsverfassung des Felix – und das heißt ja "der Glückliche" – Kracht entspricht gegenwärtig nicht immer seinem Vornamen, obwohl ein Topmanager der Airbus-Industrie eigentlich allen Grund hätte, glücklich zu sein.

Kleingeld winkt

In den Ländern am Mittelmeer ist das Tauziehen zwischen Käufer und Verkäufer um den Preis ein entscheidendes und oft vergnügliches Vorspiel.

Carters Kosmetik

Wir dürfen uns nichts vormachen: Präsident Carter, der die Europäer dazu brachte, in Kopenhagen über eine neue währungspolitische Ordnung in der Alten Welt nachzudenken, hat es auch in der Hand, das europäische Bewußtsein schon im Keim wieder zu ersticken.

Bonner Kulisse

Die Banken, deren Verbands-Pressekonferenzen in der Bundeshauptstadt immer wieder so gut besucht sind, als seien sie eine der entscheidenden Stützen des Gemeinwesens und die berufenen Fürsprecher des Gemeinwohls – sie werden wohl bald ein neues Gesicht an der Spitze ihres Verbandes präsentieren.

Sünder sind sie alle

Bei Australiens Regierungschef Fraser genießt die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft kein allzu hohes Ansehen. Sie sei eine "kleine, engstirnige Handelsgruppe, die versucht, den Rest der Welt nach ihrem Gutdünken zu gängeln".

Halstenberg schwätzt

Professor Friedrich Halstenberg, der wegen der Entlassung des Vorstandsvorsitzenden der Westdeutschen Landesbank (West LB), Ludwig Poullain, von seinem Posten als Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen zurückgetreten war, hat seinem Herzen verspätet Luft gemacht.

Die Tricks des Mannes aus dem Weltraum

Obwohl. inzwischen fünfzig Jahre alt geworden, hat Frank Borman noch immer das Gesicht eines frischgewaschenen Pfadfinders, der allzeit bereit ist für eine gute Tat.

Landwirtschaft: Josef in der Wüste

Josef Ertl hat einen neuen Freund? Er heißt Christopher Samuel Tugendhat und ist für die Finanzen der Europäischen Gemeinschaft (EG) zuständig.

"Guten Morgen, Adam"

Die US-Computer-Industrie arbeitet mit Hochdruck an Geräten, die nicht nur auf Grund von Ziffereingaben im Rahmen komplizierter mathematischer Programme arbeiten, sondern sich durch Worte programmieren lassen.

Brüssel gegen Bresciani

Sie sind in der Brancheunter dem Sammelnamen "Bresciani" wohl bekannt, aber bei den Konkurrenten nicht beliebt: Hunderte von kleinen:und kleinsten Baustahlproduzenten in Oberitalien.

Ohne Rücksicht auf Verluste

Italien als großer Stahlproduzent: Das war vor zwanzig Jahren noch eine Vorstellung, die kaum jemand ernst nahm. Inzwischen speien die Öfen zwischen dem Brenner und dem Ätna mehr Stahl aus als die traditionellen Industrien Großbritanniens und Frankreichs.

Sieg für das Rama-Mädchen

Das Bundeskartellamt nahm Anstoß und verbot sie kurzerhand. Doch das Kammergericht sah die Sache anders und erlaubte sie jetzt wieder, Gegenstand des Disputs: eine Werbeaktion für Deutschlands ohnehin bekannteste Margarine-Marke Rama.

Im Zweifel Mißtrauen

Das Bundesverfassungsgericht hat sich vorgenommen, im Herbst dieses Jahres über die Klage der Arbeitgeber gegen das Gesetz über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer vom Mai 1976 zu verhandeln.

Ölstaaten in der Zwickmühle

Das Ölkartell Opec sitzt in der Dollar-Falle und weiß nicht aus noch ein. Opec-Generalsekretär Ali Jaidah beziffert die den dreizehn Mitgliedsstaaten durch den Dollarsturz in einem Jahr entstandenen Verluste auf rund vierzehn Milliarden Dollar.

Zeitraffer

Angesichts des Dollarverfalls im Vergleich zur Deutschen Mark wagte das Institut der deutschen Wirtschaft, das der Industrie nahesteht, einen Blick in die nahe Zukunft.

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