Der zweite Sonnabend des April war in Southampton ein schwarz-weißer Tag. Schwarz war er für die weibliche Fußball-Equipe aus Marseille, weiß für die englischen Spielerinnen: diese siegten 4:0. Es fiel auf, daß die Partnerinnen nicht die Trikots tauschten. Warum wohl nicht?

Dieses internationale Ereignis soll uns ein Anlaß sein, auf die Geschichte des weiblichen Fußballspiels einzugehen, ehe es zu spät ist und die heroische Legende sich ihrer bemächtigt. Und zwar entnehmen wir dem Figaro, der Pariser Tageszeitung, daß es in den dreißiger Jahren Avantgardistin nen in Paris gegeben habe. Es waren, wie es scheint, Souffragetten, die es den Männern zeigen wollten: "Ha, das können wir auch!" Sie konnten es, hielten jedoch nicht durch. Die Heldinnen gerieten ins Abseits, ins Aus.

Im Jahre der Unruhe 1968 wurde es aber dadurch ernst, daß junge Mädchen in Reims Spaß machten. Aus Jux stellten sie für ein Wohltätigkeitsfest eine Fußball-Weibschaft zusammen. Sie fanden soviel Freude an der Sache und so viel Beifall beim Publikum, daß sie weiterspielten. Ihrem Beispiel folgten Sportlerinnen in vielen Städten. Aber Reims stellte lange die beherzigste Equipe. Dann rückte Marseille auf, dessen Elite-Spielerinnen im Alter von 15–32 Jahren soeben in England geschlagen wurden. Am meisten gefürchtet ist und bleibt aber Lyon, deren Elf von keinem Mann, sondern von einer Frau trainiert wird, der ersten Trainerin der Fußballgeschichte, so daß man sich ihren Namen wird merken müssen: Michelle Monier.

Es ist nämlich nicht zu erwarten oder zu befürchten, daß der Damenfußball zukünftig ausrollen wird. Er wird seinen Weg machen. Er hat ihn schon gemacht. Zuerst hatten die Männer Gelegenheit festzustellen, daß die Fußballerinnen weder hübscher, noch häßlicher als andere Sportlerinnen sind: Damals schauten sie einander noch an. Heute sind die Damen mit sich selbst beschäftigt. Die Ballerinnen betrachten die Männer nur dann noch genauer, wenn es sich um Baller, und zwar um Profis handelt. Sie glauben, von ihnen noch etwas lernen zu können.

Man wird bemerkt haben:, daß dieser Bericht; hier/ sehr sachlich abgefaßt ist. Es gibt nämlich leider Männer: die setzen nicht die richtige Miene auf, sie sehen Frauen flanken, foulen, schießen, köpfen oder sogar jenen Fallrückzieher machen, den einst unser Uwe erfand. Ich mache da nicht mit, die Frauen mögen nicht, wenn Männer mit solchen Mienen nachgucken. Nach ihnen und ihren sportlich blaugetretenen Beinen. Sachlichkeit ist ihre Forderung. Sonst schreiben sie sich die Spielberichte selber. Und das ist verständlich.

Nur eines hab’ ich nicht verstanden: Die Trainerin der weiblichen Fußballmannschaft in Lyon, so las ich, besteht auf Disziplin und äußerster Pünktlichkeit. Sie entschuldigt kein Fernbleiben vom Platz, es sei denn, in Fällen von "Force majeure".

Was mag das sein? Etwa Liebe? Etwa deren Folge?