Von Ulrich Heppner

Seit jeher gelten Anfangspositionen in Verbänden als Karrieresprungbretter für frischgebackene Hochschulabsolventen. Die zentralen Schalt- und Kommunikationsstellen des wirtschaftlichen Lebens scheinen als Trainingsstellen für Führungspositionen in Wirtschaft und Gesellschaft ideal geeignet. Viele frisch Examinierte der Jurisprudenz und der Volkswirtschaftslehre sehen hier einen attraktiven Einstieg ins Berufsleben.

Im Gegensatz zur Blütezeit des Verbändewesens der Weimarer Republik jedoch steht heute die öffentliche Meinung den Verbänden in der Bundesrepublik eher kritisch gegenüber. Die einen sehen Abgründe unkontrollierter und damit undemokratischer Machtballung. Die anderen beklagen Handlungsunfähigkeit, Ineffizienz und kleinkarierten Bürokratismus.

Daß von dieser Entwicklung auch das Selbstverständnis der Verbandsmanager nicht unberührt geblieben ist, liegt auf der Hand. So war es nicht weiter verwunderlich, daß etwa zehn Prozent aller Verbände in Deutschland spontan ihr Interesse bekundeten, als sie im vergangenen Jahr von der Kienbaum-Vergütungsberatung zur Teilnahme an einer Gehaltsstrukturuntersuchung für Verbandsmanager eingeladen wurden. 326 Positionsinhaber wurden schließlich im Ergebnisbericht erfaßt, der dann den Teilnehmern der Befragung exklusiv zuging.

Setzt man voraus, daß die Vergütung von Top-Managern immer auch Sensor für Gewichtigkeit und Ansehen der Position in Wirtschaft, Gesellschaft und Öffentlichkeit ist, so kann der Tenor des Ergebnisses der Untersuchung kaum überraschen: Karg ist der Lohn, mit dem Verbandsmanagern ihre Mühe entgolten wird.

Die Hauptgeschäftsführer in den Verbänden sind im Durchschnitt kaum höher dotiert als die leitenden Angestellten in Wirtschaftsunternehmen der ersten Ebene unterhalb der Geschäftsführung. Diese konnten 1977 für weit geringere Verantwortung, bei weit schlechterer Ausbildung und in erheblich jüngerem Alter jährliche Gesamtbezüge von durchschnittlich etwa 80 000 Mark nach Hause tragen. Bei aller Vorsicht im Vergleich von unterschiedlichen Aufgabeninhalten scheint vom Anforderungsprofil her doch eher ein Vergleich der Verbandsgeschäftsführer mit den Geschäftsführern von Wirtschaftsunternehmen der Größenordnung von 50 Millionen Mark Umsatz angebracht. Die Positionsinhaber dort aber waren im Jahr 1977 in einer Größenordnung von 150 000 Jahresgesamtbezügen dotiert. Zwar erhalten die Verbandsmanager ausschließlich Festbezüge, während den Wirtschaftsbossen ihre Gesamtbezüge in aller Regel zu einem Drittel als Erfolgsbeteiligung ausgezahlt werden. Damit ist der Abschlag in der Vergütung der Verbandsgeschäftsführer aber bei weitem nicht gerechtfertigt.

Auffallend ist in den Verbänden auch die damit zwangsläufig verbundene Nivellierung der Dotierung in den hierarchischen Rängen. Während in Wirtschaftsunternehmen die Geschäftsführer und Vorstände in der Regel das Doppelte der ihnen unterstellten Führungskräfte erhalten, ist dieser Abstand in den Verbänden weit geringer. Die Führungskräfte verdienen dort mit durchschnittlich 59 000 Mark in der Ebene unter der Geschäftsführung nur 30 Prozent weniger als die Hauptgeschäftsführer. Diese Nivellierung läßt sich nur zu einem Teil erklären durch die geringe Vergütung in den kleineren Verbänden, denen häufig nur ein oder zwei Führungskräfte vorstehen.