In den Ländern am Mittelmeer ist das Tauziehen zwischen Käufer und Verkäufer um den Preis ein entscheidendes und oft vergnügliches Vorspiel. Der chronische Kleingeldmangel in Italien bringt für diese Phase eine neue Variante ins Spiel.

Stülpt der Kaufinteressent seinen Geldbeutel als sichtbares Zeichen für sein Unvermögen, mit Kleingeld aufzuwarten, vor den Augen des Händlers um, dann verzichtet der meist mit einer großzügigen Handbewegung auf den Rest. Allerdings darf die Kaufsumme nicht allzu klein sein. Wer umgekehrt zwei belegte Brötchen für zusammen 600 Lire erwirbt und mit einem Tausend-Lire-Schein bezahlt, kann nicht damit rechnen, daß er 400 Lire in Münzen zurückbekommt. Bei kleinen Käufen ist der Mangel an "Moneta" deshalb ein steter Grund zum Ärgern. Oftmals muß der Tourist Kaugimmi und Ansichtskarten, die schon in seiner Tasche verschwunden waren, wieder zurückgeben, weil niemand wechseln kann.

Die Spannung steigt, wenn um die Anerkennung von geldähnlichen Zahlungsmitteln gefeilscht wird, die in einigen Landesteilen üblich, in den anderen aber verpönt sind. Da geht es um Straßenbahnfahrscheine, Automatenspielgeld und vor allem um die von den Banken als Notgeld ausgegebenen Minischecks. Die Minischecks, so wird jeder Osterurlauber in Italien herausgefunden haben, werden nördlich von Florenz noch überall ohne Zaudern als Zahlungsmittel akzeptiert. Weiter unten im Stiefel aber sehen selbst die Bettler schon scheel, falls man ihnen die zerknitterten Scheinchen aufs Tablett legt.

Und wie spielt sich so ein Minihandel unter derartigen Umständen ab? Ich denke da an den Kiosk vor dem Dom von Acireale (Sizilien). Dort wollte ich drei Tageszeitungen kaufen. Macht sechshundert Lire. Ich lege einen Schein über tausend Lire hin. Der Kioskbesitzer schüttelt den Kopf und fragt, ob ich kein Kleingeld hätte. Ich nicke freudig und ziehe einen Schein über fünfhundert Lire sowie eine Münze für Spielautomaten aus der Tasche, die mir beim Kaffeetrinken zugeflossen ist. Nein, so etwas nehme er nicht, gestikuliert der Zeitungsmann entrüstet. Was tun? Zumindest tagesfrische Zeitungen haben auch in Sizilien ihren festen Preis. Handeln ist also ausgeschlossen.

Ich gebe eine Zeitung zurück und frage, ob er nicht wenigstens hundert Lire herausgeben könne. Denn zwei Zeitungen kosten vierhundert Lire und ich könnte ihm den Schein über fünfhundert Lire abtreten. Ein brummiges Ja ist die Antwort. Aus dem Kiosk reicht mir eine Hand einen fast unleserlichen Minischeck des Banco di Sicilia über hundert Lire heraus. Jetzt protestiere ich: Derlei Zahlungsmittel seien doch in Sizilien nicht mehr üblich. Die Hand mit dem Schein fährt zurück und siehe, zögernd kommen zwei Telephonmünzen im Werte von je 50 Lire zum Vorschein. Und wie ich mit raschem Blick erkenne, hat der schlaue "Commerciante" im Eck verborgen einen ganzen Blechkasten voller "Spiccioli" (Kleingeld).

Der unter Mühen erstandenen Informationsquelle entnehme ich eine frohe Botschaft: Die staatliche Münzprägeanstalt soll dem Schatzministerium abgenommen werden, dem sie bisher unterstellt und damit allen bürokratischen Hemmnissen einer italienischen Ministerialverwaltung unterworfen war. Künftig wird die Münze in die Staatsdruckerei eingegliedert, die als autonome Einrichtung arbeitet.

Die Münzprägebeamten freuen sich: Wird doch nicht nur ihre Zahl von 340 auf 400, sondern auch ihr Gehalt erhöht! Spontan ließen sie sich bereits zu der Aussage hinreißen, daß die Münzproduktion noch im Laufe des Jahres verdoppelt werden könne. Dabei bedeuten bereits 87 Millionen Stücke vom Februar einen Rekord, der seit Jahren nicht mehr erreicht wurde. Kleingeld ist in Sicht, und damit ein wenn auch allmähliches Ende der münzenlosen, der schrecklichen Zeit.