"Nürnberger Blätter für Literatur", herausgegeben von Gerhard Wagner. Im nordbayerischen Nürnberg sind nicht nur Lebkuchenbäcker am Werk, sondern auch Literaten; aber sonderlich herumgesprochen hat sich das hierzulande noch nicht. Gerhard Wagner, Jahrgang 1950, verweist deshalb im dritten Heft dieses großformatigen Journals erneut auf seine Absicht, "in Franken beheimatete Schriftsteller in den überregionalen literarischen Rahmen zu stellen, der ihnen gemäß ist." Eingerahmt werden die entsprechenden Beiträge von einem Grass-Gedicht zu Beginn und der abschließenden Herausgebernotiz: "Der von Peter Paul Zahl zugesagte Beitrag traf bis Drucklegung nicht ein. Brief und Telegramm des Verlages wurden von der Justizvollzugsanstalt Werl vorsätzlich nicht at den Autor weitergeleitet. Wir verstehen diese leere Seite als Ausdruck für die Gefangensetzung eines Bewußtseins." Ansonsten bringt dieser hübsch verpackte Band, ausgestattet mit drei Zeichnungen des einheimischen Realisten Michael Mathias Prechtl, thematisch und stilistisch recht unterschiedliche Texte: der fünfundsiebzigjährige Friedrich Hagen, der heute in Paris lebt, erinnert sich an Nürnberger Kindertage während des Ersten Weltkriegs. Der Kirchenkritiker Karlheinz Deschner blättert noch ein paar Seiten weiter im Geschichtsbuch zurück: Er porträtiert den in Bayreuth geborenen Max Stirner (1806–1856) und dessen literarischen Ego-Trip "Der Einzige und sein Eigentum". Von den restlichen sieben Autoren seien noch Ludwig Fels und Gerhard Falkner genannt. (Verlag Medien und Kultur, Nürnberg, 1977; Chr.-Wildner-Str. 4 d; 121 S., 28,– DM.) Werner Hornung