Köln: "Fernand Léger – Das figürliche Werk"

Am Ende steht die "Rückkehr zum Einfachen", zur Utopie und: zum Menschen, dem Ausgangs- und Endpunkt des Entwurfs einer menschlicheren modernen Gesellschaft, an die Fernand Léger voller Optimismus glaubte und auf die seine Arbeiten so nachdrücklich deuten – die großen Gemälde ebenso wie die kleinformatigen Zeichnungen, die monumentalen Figurenkompositionen wie die zarten Bleistiftporträts, die Meisterwerke wie die Studien. Mit fünfzig Gemälden (darunter Werke wie "Akte im Wald", "Adam und Eva", "Die Taucher", "Die Bauarbeiter" und "Die Landpartie") und mehr als achtzig Zeichnungen, die zwischen 1909 und 1955 entstanden, unterstreicht die Ausstellung die weitreichende Bedeutung des Franzosen für die Kunst des 20. Jahrhunderts und vermittelt einen eindrucksvollen Überblick über die Entwicklung des Figurenmalers Léger, stilistische Wandlungen und das gleichbleibende Bemühen, "eine unmittelbare, allen verständliche Kunst" zu realisieren, eine Volkskunst, die sich ohne Volkstümelei an das Volk wendet und vom Volk handelt: von Arbeitern und Akrobaten, Tänzerinnen und Ausflüglern, von Menschen und ihren Möglichkeiten, ihren Qualitäten, ihrer Befreiung. Für Léger, der 1955, 74 Jahre alt, starb, sieht das am Ende ganz einfach aus. Wenige Jahre vor seinem Tod schreibt der Klassiker der Moderne in einem Text über den Zirkus: "Es ist so menschlich, die Grenzen zu durchbrechen, größer zu werden, in die Freiheit vorzustoßen." Seine Bilder liefern eines der schönsten und überzeugendsten Beispiele: konsequent unternehmen sie den Vorstoß in die Freiheit, verwirklichen kompromißlos das Große, überwinden Grenzen und machen. Mut: Mut zur Utopie, Mut, rückhaltlos zu leben – unter Zirkuskuppeln und anderswo. (Kunsthalle Köln bis 4. Juni, Katalog 14 Mark) Raimund Hoghe

München: "Fidus – ein Künstler im Dienste der Lebensreform"

Das "Lichtgebet" (Fidus hat zwischen 1890 und 1938 elf Fassungen seines bekanntesten Werkes hergestellt – eine davon besaß der Reichsleiter Martin Bormann) ist ein bemerkenswertes Beispiel des Mißbrauchs von Kunst für weltanschauliche Propaganda. Der blonde Jüngling, der – nackt auf Bergeshöhen – seine Arme sehnsuchtsvoll dem Himmel entgegenstreckt, symbolisierte den neuen Menschen, den der jugendbewegte Fidus sich erträumte: Die Darstellung des nordisch-arischen Lichtanbeters war anschaulich konkretisierte Ideologie pränazistischer Natur. Der Lübecker Konditorssohn Hugo Höppener, genannt Fidus (1868–1948), ein "Jugendstil-Hippie" (Jost Hermand), der in völkischer Bohème wurzelte, gehörte zu den ästhetischen Propheten des Dritten Reiches (sein Wunsch, auch Erfüllungsgehilfe sein zu dürfen, scheiterte an seiner theosophisch beeinflußten Vergangenheit). Nicht als Künstler, sondern als Repräsentant einer reaktionären Reformbewegung, in der Freikörperkultur und Nationalismus, Erlösungsmysterien und Vegetarismus sich zu einer – wie sich zeigen sollte: explosiven – Mischung vereinigten, ist Fidus durchaus interessant. Das Gedankengewölle seiner lebensreformerischen Vorstellungen hat sich in seinen Arbeiten als schwerverdauliche Zusammenballung von germanischem Herrenmenschentum und weltanschaulich veredeltete Erotik niedergeschlagen. Auch in Entwürfen für gigantische Tempelanlagen, die er als "sichtbare Gesamtkunstwerke in Erweiterung des Bayreuther Gedankens" verstand. Sein Tempelgedanke zielte auf ein völkisch-rituelles Gemeinschaftserlebnis – Adolf Hitler, Fidus hat ihn als verklärte Lichtgestalt porträtiert, verwirklichte die Utopie. (Museum Villa Stuck, bis zum 30. April; an Stelle eines Katalogs: "J. Frecot, J. F. Geist, D. Kerbs: Fidus", Verlag Rogner und Bernhard, 25 Mark) Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen

Berlin: "Aspekte der 60er Jahre – Sammlung Onnasch" (Neue Nationalsammlung bis 23. April, Katalog 18 Mark)

Bonn: "Anne und Patrick Poirier" (Kunstverein bis 30. April, Katalog 7 Mark)