Ich habe etwas über die Entstehung und Verhütung von Babys gelernt. Vom Unterricht her weiß ich nun auch, wie die Geschlechtsorgane so etwa aussehen und funktionieren. Sogar ist mir klar geworden, daß "Liebe" ohne Liebe nichts ist. Das alles erfährt man in der Schule, jedoch, wie man die Freundschaft praktiziert, wie man sich verhalten sollte, können Kinder nur bei ihren Eltern erfahren, deren Ehe ein Vorbild dafür ist. Wo aber gibt es einen Ersatt dafür, wenn Kinder-bei ihren Eltern das Vorbild nicht finden? Ich finde, daß in der Schule auch über die Gefühle gesprochen werden sollte, weil es in der Klasse immer Kinder gibt, die das Vorbild von ihren Eltern nicht bekommen. Gunhild Flade, 15 Jahre

Die Sexualität besteht nicht nur aus biologischen Fakten. Sie hat auch mit Seele etwas zu tun. Es ist Pflicht der Eltern und Erziehungspersonen, den jungen Menschen mitzuteilen, daß es Liebe gibt. Jeder versteht, was Liebe ist, denn jeder hat sie in der Mutter-Kind-Beziehung gefühlt. Die intime Liebesbeziehung zwischen Mutter und Kind geht mit dem Pubertätsalter verloren. Dann kann ein neues Liebesverhältnis zwischen Mädchen und Jungen mit Hilfe der Sexualität entstehen. Ulrike Fischer, 14 Jahre

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Die Sexualerziehung soll dazu beitragen, mit der eigenen Geschlechtlichkeit selbstsicher und natürlich umzugehen; deshalb darf sich die Sexualerziehung nicht ausschließlich auf biologische Fakten beschränken. Sie hat vielmehr ihren Schwerpunkt (anders als beispielsweise die Mathematik) nicht im Rationalen, sondern im Emotionalen, was zur Folge haben muß, daß die Erfüllung dieser Erziehungsaufgabe nicht in der reinen Wissensvermittlung liegt. Kinder und Jugendliche sollen durch die Sexualerziehung einen Schritt weiter in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gebracht werden, das heißt, daß sie die Chance haben, eines Tages als liebesfähige Individuen, die in der Partnerschaft (in der die Sexualität ein unübersehbarer Bestandteil ist) nehmen und geben können, zu leben. Menschen sind keine emotionslosen Wesen, und somit läuft ihre Sexualität auch nicht ohne Gefühle ab. Jede Sexualerziehung muß den emotionalen Aspekt in erster Linie einbeziehen.

Kathrin Schrader, 18 Jahre

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Die rein faktische Sexualerziehung im Rahmen des Biologieunterrichts ist nicht ausreichend. Die geschlechtliche Beziehung zweier Menschen wird dort nämlich rein sachlich und mit Fremdwörtern geschildert, so daß der Schüler den nur biologisch und ohne jedes Gefühl geschilderten Vorgang mit dem der Tiere verwechseln könnte. Es kann ja wohl auch kaum im Interesse unserer Regierung liegen, die Jugendlichen zu Tieren zu erziehen, die nur aus reinem Fortpflanzungstrieb miteinander schlafen, oder etwa zu verklemmten, verschüchterten Menschen, die unter einem Haufen medizinischer Fachausdrücke ihre Gefühle begraben haben.