Songs mit Perfektion: Jackson Browne

Von Franz Schöler

Bei den meisten Prestige-Tourneen prominenter Rock-Gruppen laufen heute sechzehnkanalige Bandmaschinen mit, um die mehr oder weniger geglückten Konzerte für die Nachwelt zu konservieren. Denn ein Live-Album ist angesichts der immensen Produktionskosten für eine Studio-LP die in jedem Sinne billigste Entschuldigung für einen akuten Mangel an schöpferischen Ideen.

Nicht so Jackson Brownes "Running On Empty", auch wenn der Refrain des Titelsongs den Verdacht wecken könnte, wir hätten es hier mit einem ausgebrannten Fall zu tun. Das Gegenteil ist richtig.

Bei "Running On Empty" handelt es sich um eine der wenigen Live-Platten in der Rockmusik, die ausschließlich neue Songs präsentiert und nicht so etwas wie eine nachgelieferte "Greatest Hits"-Kollektion ist, die den Ruhm der Interpreten zementieren soll. Einmalig auch insofern, als sie in Form eines akustischen Cinéma Vérité das Auf und Ab, die Frustrationen und befriedigenden Momente des Tourneelebens beschreibt: ein unsentimentales Dokument über Situationen, in denen vielen Rockmusikern nur einfällt, ein sentimental-selbstmitleidiges Lied über die Einsamkeit on the road zu schreiben.

Als sensibler Chronist der Gefühle einer Generation hat sich der heute 28jährige nie mit halben Sachen zufriedengegeben. Auch wenn "Running Oft Empty" nur die Hälfte eines ursprünglich als Doppelalbum geplanten Unternehmens ist, das in der Manier von Robert Altmans "Nashville" das totale Tournee-Dokument werden sollte. Zumindest indirekt reflektiert auch diese Platte wieder Jackson Brownes Lieblingsthema: den Verlust der Naivität und die Erfahrung des Altwerdens.

Seine Fans haben ihm vermutlich schon unzählige Male beteuert, wie sehr sie sich in seinen Liedern wiederfinden, wie stark sie sich mit den unschlüssigen Antihelden seiner Songs identifizieren können. Das gilt paradoxerweise für seine neuen Kompositionen genauso wie für Sachen, die er vor zehn Jahren schrieb. Paradox deswegen, weil Rockmusik immer eine unwiederholbare generationäre Erfahrung zu sein schien. Jackson Browne dagegen ist sich seit seinen frühen Songs wie "These Days" immer thematisch treu geblieben. Die pathetische Vokabel "frühvollendet" trifft hier ausnahmsweise tatsächlich zu.