Die Mitglieder des Kartells wissen nicht, wie sie sich vom Dollar lösen sollen

Das Ölkartell Opec sitzt in der Dollar-Falle und weiß nicht aus noch ein. Opec-Generalsekretär Ali Jaidah beziffert die den dreizehn Mitgliedsstaaten durch den Dollarsturz in einem Jahr entstandenen Verluste auf rund vierzehn Milliarden Dollar. Iraks Ölminister Tayeh Abdel Karim klagte über eine doppelte Kaufkraftschädigung – zehn Prozent als Folge der Dollarabwertung, zwanzig Prozent inflationsbedingt –, die der Opec zur Zeit durch die westlichen Industriestaaten zugefügt werde. Wenn man alles zusammenrechne, dann habe sich in der Zeit von 1974 bis 1977 der Preis für jedes Faß Öl nicht auf 12,7 Dollar, sondern real nur auf 4,85 Dollar erhöht. Und Scheich Ali, der neue Ölminister Kuwaits, macht das Absacken des Dollars für ein kuwaitisches Minus bei den Öleinnahmen von täglich weit mehr als einer Million Dollar verantwortlich.

Allgemeine Bestürzung und Verbitterung über diese Entwickung breiten sich aus. Die Ölproduzenten stellen immer ungeduldiger die Forderung, sich gegen diese massive Verschlechterung abzusichern. Nicht nur der Gegenwert der ölexporte sinkt, sondern auch die Kaufkraft der überwiegend in Dollar gehaltenen Währungsreserven und die in den USA angelegten Überschüsse. Und es sinken gleichzeitig die unersetzlichen Ölvorkommen.

Eine sofortige Ölpreiserhöhung zur Wiedergutmachung des erlittenen Dollarschadens, rückwirkend spätestens vom 1. Januar 1978, fordern Venezuela, der Irak, vor allem auch Kuwait. "Die Opec ist an ihre Preisstoppverpflichtung nicht mehr gebunden", erklärte der kuwaitische Finanzminister Abdul Rahman al Ataki bereits Anfang März. Er bezog sich auf das Opec-Gipfeltreffen von Caracas, wo im vergangenen Dezember ein vorläufiger Verzicht auf Preiserhöhungen beschlossen worden war. Die Gründe für diesen Entschluß gelten allerdings noch heute:

Erstens sind die westlichen Ölmärkte übersättigt. Die Nachfrage nach Opec-Öl stagniert, weil in den Industrienationen der Aufschwung auf sich warten läßt und aus der Nordsee und Alaska neues Öl einströmt. Amerika und Kanada werden 1978 fünf Prozent, die EG-Staaten sieben Prozent weniger Opec-Öl importieren. Selbst Japan wird seinen, Konsum ganz erheblich drosseln. Die US-Importe, die zwischen 1970 und 1977 jährlich um rund fünfzehn Prozent stiegen, werden sich bis 1985 pro Jahr um kaum mehr als vier Prozent erhöhen.

Zweitens würde angesichts dieser Nachfrageflaute jede Preiserhöhung zu einer Eskalation des Opec-internen Preiskrieges führen. Schon heute müssen gerade die Kartellmitglieder, die am lautesten auf die Pauke schlugen, ihre Ölpreise senken – Algerien, Libyen und Nigerien durch direkte Preisabschläge, Kuwait durch verdeckte Rabatte.

Drittens birgt jede stärkere Ölpreiserhöhung für die Förderländer die Gefahr eines Bumerangeffekts. Die mühsame Erholung der Industriestaaten und damit auch deren Öldurst werden gebremst, die inflationäre Verteuerung der Opec-Importe angeheizt, die Zahlungsbilanz der USA noch mehr belastet, die Erholung des Dollars somit verzögert.